Name
Finger, Ernest
Namensvarianten
-
Lebensdaten
1856 bis 1939
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Wien
Beruf/Lebensstellung
Dermatologe
Konfession
katholische Familie
Autor NDB
Erna Lesky
Autor ADB
-
GND
137481179

Finger, Ernest

Dermatologe, * 8.7.1856 Prag, 17.4.1939 Wien.

  • Genealogie

    B August s. (1); Wien 1888 Elis. Ferdinands (1862–1918, Schw d. Schwägerin), T d. k.k. Oberstlt. Joh. Herold v. Stoda; 2 T.

  • Leben

    In F. haben sich zwei Arbeitsrichtungen in glücklichster Weise vereint: als Assistent (1878–84) der Syphilidologen K. L. Sigmund, H. Zeißl und I. Neumann setzte er, der sich 1883 habilitierte, die große Tradition der auf streng klinischer Observanz beruhenden Wiener Syphilidologen-Schule fort und verband sie zugleich mit den neuen, im pathologisch-anatomischen Institut A. Weichselbaums erlernten bakteriologischen Arbeitsmethoden. Dadurch gelang es ihm, erstmals die gesamte Gonorrhoelehre in seinem Werk „Die Blennorrhoe der Sexualorgane“ (1888) auf modern bakteriologischer und pathologisch-anatomischer Basis darzustellen, sie zusammen mit A. Ghon und Schlagenhaufer in „Beiträge zur Biologie des Gonococcus“ (Archiv für Dermatologie und Syphilis, 1894/95) weiter auszubauen und in der Folge an seiner Klinik die Serodiagnose und Therapie der Gonorrhoe mit der von seinem Schüler R. Müller entdeckten Ballungsreaktion sowie durch die Einführung der Gonokokkenvakzine-Behandlung zu vervollkommnen. Als F. 1904 die 2. Klinik für Geschlechts- und Hautkranke in Wien übernahm, befand sich die ganze Syphilis-Lehre im Umbruch. Durch seine und K. Landsteiners „Untersuchungen über Syphilis am Affen“ (SB, Akademie der Wissenschaften, Wien, 1905/06) hat er Wesentliches zur Klärung der neu aufgeworfenen Fragen beigetragen: Virulenz, Inkubation, Ablauf der Impflues am Affen sowie das Verhalten der Spirochaeta pallida zum Gewebe wurden experimentell analysiert. Gerade dieses Verhältnis zum Gewebe schien F. für den Ablauf der syphilitischen Infektion entscheidend. Er baute daher mit seinen Schülern R. Müller und J. Kyrie eine unspezifische|Reizkörpertherapie aus und kombinierte sie mit der spezifischen Salvarsanbehandlung, deren Komplikationen, das Auftreten von Neurorezidiven, er als erster erkannte. Alle diese therapeutischen Bemühungen wurden durch die Begründung eines eigenen serodiagnostischen Instituts an der Klinik auf breitester Basis kontrolliert und so schon frühzeitig die hohe Bedeutung der Malariatherapie Wagner-Jaureggs für eine präventive Liquorsanierung erkannt. F. wußte aber auch mit aller Energie aus seinen Forschungsergebnissen die praktischen und sozialen Konsequenzen zu ziehen: In nimmermüder Aufklärungsarbeit durch Wort und Schrift bekämpfte er „Die Geschlechtskrankheiten als Staatsgefahr“ (1924), schuf eigene Behandlungsstätten für sie und konnte so die Zunahme der venerischen Krankheiten nach dem 1. Weltkrieg rasch eindämmen. Dieses sein soziales Wirken erfuhr durch seine Ernennung zum Präsidenten des Obersten Sanitätsrates (1925–31) die verdiente Anerkennung.

    • Werke

      Weitere W s. E. Riecke, Dt. Dermatologenkal., 1929, S. 60 f.

    • Literatur

      A. Neisser u. W. Pick, in: Archiv f. Dermatol. u. Syphilis 121, 1916, H. 3 (P);  M. Oppenheim, in: Wiener klin. Wschr. 39, 1926, S. 825 f.;  ders., ebd. 49, 1936, S. 887 (P)ders., in: Wiener Med. Wschr. 86, 1936, S. 1265 f. (P)ders., in: Archiv f. Dermatol. u. Syphilis 40, Chicago 1939, S. 439 f.;  V. Mucha, in: Wiener Med. Wschr. 76, 1926, S. 843 (P);  J. Kyrie, ebd., S. 844 f.;  G. Scherber, in: Wiener klin. Wschr. 52, 1939, S. 538 f.;  ders., in: Wiener Med. Wschr. 89, 1939, S. 543 (P)BLÄÖBL.

    • Portraits

      Bronzeplakette v. A. Gerhart (Wien, 2. Univ.-Klinik f. Geschlechts- u. Hautkrankheiten);  Phot. (Wien, Österr. Nat. Bibl.).

  • Autor

    Erna Lesky
  • Empfohlene Zitierweise

    Lesky, Erna, "Finger, Ernest" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 158 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn137481179.html
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Finger, Ernest

NDB Genealogie:

Finger, Ernest