Name
Moritz
Namensvarianten
Moritz von Anhalt-Dessau
Lebensdaten
1712 bis 1760
Geburtsort
Dessau
Sterbeort
Dessau
Beruf/Lebensstellung
preußischer Feldmarschall; Fürst von Anhalt-Dessau
Konfession
reformiert
Autor NDB
Hartmut Ross
Autor ADB
Siebigk.
GND
137568215

Moritz Prinz von Anhalt-Dessau

preußischer Feldmarschall, * 31.10.1712 Dessau, 11.4.1760 Dessau. (reformiert)

  • Genealogie

    V Fürst Leopold I. v. A.-D. (1676–1747), preuß. Feldherr (s. NDB 14); M Anna Louise (Reichsfürstin 1701, 1677-1745); 4 B Wilhelm Gustav (1699–1737), preuß. Gen.-Lt. (s. ADB I; Priesdorff I, S. 139 f.), Leopold II. (1700–51), preuß. GFM, seit 1747 regierender Fürst in A.-D. (s. ADB 18; Priesdorff I, S. 142-44; NDB 14*), Dietrich (1702–69), preuß. GFM, seit 1751 regierender Fürst in A.-D. (s. NDB III), Eugen (1705–81), preuß. Gen., seit 1746 in kursächs. Diensten, 1775 FM (s. ADB V, S. 175; Priesdorff I, S. 220-24); N Hzg. Leopold III. Friedrich Franz v. A.-D. (1740–1817), Garten- u. Landschaftsgestalter (s. NDB 14); Vt 2. Grades Friedrich Wilhelm I., Kg. in Preußen (1688–1740, s. NDB V); – ledig.

  • Leben

    Als Liebling seines Vaters erhielt M. eine Ausbildung in Armeedienst, Verwaltung, Kolonisation und Ökonomie. Sein Mangel an Bildung rief den Spott von Kameraden hervor und drängte ihn, der von rauhem Charakter war, in eine gewisse Außenseiterrolle. Mit sechs Jahren übernahm er eine Kompanie; 1723 wurde er Adjutant seines Vaters und vier Jahre später Hauptmann und Bataillonschef. Als Musterbeispiel eines preuß. Offiziers errang er das Wohlwollen Kg. Friedrich Wilhelms I., der ihn 1731 zum Oberstleutnant beförderte und ihm die Dompropstei zu Brandenburg/Havel verlieh, die M. 1739 antrat. Im Poln. Erbfolgekrieg konnte M. vom hochbetagten Prinzen Eugen militärische Organisation lernen. 1736 avancierte er zum Obersten und Regimentskommandeur. In den ersten Schles. Kriegen stand M. meist unter dem Kommando seines Vaters oder eines seiner Brüder. Seit Juni 1741 war er in Schlesien, wo er an Aktionen gegen Breslau, Neiße und Glatz teilnahm. Zu Beginn des zweiten Schles. Krieges befehligte er als Generalmajor die Avantgarde beim Einfall in Böhmen und war an der Einnahme Prags 1744 beteiligt. Durch seine geschickte Führung des rechten Flügels bei Hohenfriedberg am 4.6.1745 trug er erstmals in einer großen Schlacht zu deren Erfolg bei. Im Dezember hatte er – inzwischen Generalleutnant der Infanterie – den wichtigsten Anteil am Sieg seines Vaters in der Schlacht bei Kesselsdorf.|Noch auf dem Schlachtfeld zeichnete ihn Friedrich II. mit dem Schwarzen Adlerorden aus.

    In den folgenden Friedensjahren war M. Regimentskommandeur in Stargard, Gouverneur von Küstrin und Driesen und vor allem Leiter der Kolonisationsmaßnahmen in Pommern; hier konnte er seine in Anhalt-Dessau gewonnenen Kenntnisse in Agrikultur, Forstwirtschaft und besonders Wasserbaumaßnahmen, aber auch Handel, Verkehr und Gewerbe erfolgreich umsetzen. Gemeinsam mit der Kriegs- und Domänenkammer leitete M. die Regulierungs- und Eindeichungsarbeiten an der Oder, die Anlage von Ostseehäfen sowie die Gründung und Besiedlung von ca. 100 Dörfern mit über 1500 Familien.

    Der Siebenjährige Krieg brachte Höhe- und Endpunkt seiner militärischen Laufbahn. 1756 besetzte M. die Festung Wittenberg und nahm an der Einschließung der sächs. Armee bei Pirna teil. Nach deren Kapitulation übertrug ihm Friedrich II. die Umformung der sächs. Regimenter zu preußischen. M. vollzog auch diese Tätigkeit zuverlässig und gewissenhaft, aber sein Mangel an Einfühlung und die Tatsache, daß es sich um einen Rechtsbruch handelte, verhinderten einen dauernden Erfolg. In der für Preußen verhängnisvollen Schlacht von Kolin am 18.6.1757 befehligte M. den linken Flügel. Sein Verhalten brachte ihm bei Zeitgenossen und Militärhistorikern scharfe Kritik und engagierte Verteidigung ein. Der König jedenfalls vertraute ihm das Kommando über den Rückzug und im Oktober den Entsatz von Berlin an. Der Reichshofrat hingegen forderte ihn vergeblich auf, die preuß. Armee bei Strafe der Enteignung zu verlassen. Erfolg brachte ihm die Führung des linken Flügels beim Sieg über Reichsarmee und Franzosen bei Roßbach. M. krönte seine Kriegstaten als Kommandeur des rechten Flügels in der Schlacht bei Leuthen am 5.12.1757. Sein Anteil war so wesentlich, daß ihn Friedrich II. auf dem Schlachtfeld zum Feldmarschall ernannte und bekannte, daß ihm noch nie jemand bei einem Sieg derartig geholfen habe. Auch in der Schlacht bei Zorndorf gegen die Russen bewährte sich M., wurde aber bei der preuß. Niederlage von Hochkirch 1758 verwundet, gefangengenommen und nach Dessau entlassen.

    M. hatte seinen Grundbesitz ständig vermehrt, nicht nur in Anhalt-Dessau, sondern auch in Brandenburg, wo er Dörfer anlegte. – Triebfeder des Handelns dieses oft als ungelenk beschriebenen, aber pflichtbewußten und tapferen Soldaten war neben neidloser Verehrung für den überragenden Vater und dem Pflichtgefühl des preuß. Offiziers eine calvinistisch-prot., vom Pietismus beeinflußte Religiosität.

    • Literatur

      ADB 22; H. Hesse, Die Kolonisationstätigkeit d. Prinzen M. v. Anhalt-Dessau in Pommern 1747-1754, 1910, vollst, in: Balt. Stud. NF XIV u. XVI; M. Preitz, Prinz M. v. Dessau im Siebenj. Kriege, 1912 (P); ders., Prinz M. v. Dessau, in: Mitt. d. Ver. f. anhalt. Gesch. u. Altertumskde., Bd. 12, S. 82-97; B. v. Knobelsdorff-Brenkenhoff, Anhalt-Dessau 1737-1762, Seine vier Fürsten u. Brenkenhoff, 1987 (P); R. Specht, Bibliogr. z. Gesch. v. Anhalt, 1930, Nachdr. 1991; ders., Bibliogr. z. Gesch. v. Anhalt, 2. Nachtrag f. d. Zeit 1936–80, Bearb. u. fortgeführt v. G. Ziegler, 1991; Priesdorff I, S. 254 f.

    • Portraits

      E. v. Frankenberg u. Ludwigsdorf, Anhalt. Fürsten-Bildnisse, 1895.

  • Autor

    Hartmut Ross
  • Empfohlene Zitierweise

    Ross, Hartmut, "Moritz Prinz von Anhalt-Dessau" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 134 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn137568215.html

Moritz, Prinz später Fürst zu Anhalt

  • Leben

    Moritz, Prinz später Fürst zu Anhalt, der fünfte und jüngste Sohn des Fürsten Leopold von Dessau und dessen Gemahlin, der Fürstin Anna Luise, ward am 31. October 1712 zu Dessau geboren. Sein Vater, dessen Liebling er gewesen zu sein scheint, hatte ihn möglichst viel um sich auf Reisen und bei der Ausübung der Jagd und richtete dessen Sinn schon sehr zeitig auf das Militairische, ohne jedoch dabei die sonstige Ausbildung seines Sohnes zu vernachlässigen. Schon im J. 1718 errichtete der Fürst dem sechsjährigen Sohne eine eigene Compagnie, die sogenannte Jungeburschencompagnie, bestehend aus 3 alten Unterofficieren, 2 Spielleuten und 60 jungen Leuten, und ließ ihn bei derselben die Waffenübungen erlernen. Später, im J. 1720, nahm König Friedrich Wilhelm I. diese Compagnie in seinen Sold und der junge Prinz führte dieselbe, welche zu Dessau oder Oranienbaum im Quartiere stand, 1721 zu Dessau und 1722 zu Magdeburg ihrem Kriegsherrn vor. Um seinem Sohne frühzeitig das für den höhern militärischen Beruf nöthige Geschick und die erforderliche Einsicht zu gewähren, verwendete Fürst Leopold ihn seit dem J. 1723 als Adjutanten bei seiner Person, und nachdem der junge Prinz so vier Jahre hindurch vom größten Lehrmeister des damaligen preußischen Heeres geschult worden, verlieh ihm 1727 König Friedrich Wilhelm I. eine Compagnie bei dem in Magdeburg garnisonirenden Arnim'schen Regiments, die er aber noch in demselben Jahre mit einer solchen in seines Vaters Regiments in Halle vertauschen mußte. In diesen Stellungen war der Prinz in den nächsten Jahren eifrigst bemüht, sich eine möglichst umfassende Kenntniß des innern, nach jetzigen Begriffen oft kleinlichen Dienstes anzueignen und wohnte wiederholt den jährlichen Revuen in den verschiedenen Provinzen in dienstlicher Stellung oder als Zuschauer bei, auch begleitete er 1730 seinen Vater beim Besuche des kursächsischen Lustlagers bei Mühlberg. Im Juni des J. 1731 wurde der Prinz bei einer Revue bei Berlin vom Könige vom Hauptmann zum Oberstlieutenant ernannt und führte im nächsten Jahre ein Bataillon des Alt-Anhaltischen Regiments so sehr zur Zufriedenheit des Königs vor, daß ihn dieser mit der Anwartschaft auf die Dompropstei zu Brandenburg belohnte, die er denn auch 1739 nach dem Tode ihres bisherigen Inhabers, des Feldmarschalls von Grumbkow wirklich erhielt.

    Dem ruhmlosen Reichskriege am Rhein 1733/35 wohnte der Prinz mit seinen ältern Brüdern, unter Oberbefehl des Prinzen Eugen von Savoyen, meist als Volontär bei und ward nach der Rückkehr der preußischen Truppen im J. 1736 zum Obersten, mit Patent vom J. 1732 und zum Commandeur des Regiments seines Vaters zu Halle ernannt. Der Ausbruch des ersten schlesischen Krieges 1749 fand den Prinzen Moritz noch in dieser Stellung, er nahm aber zunächst nicht Theil an den kriegerischen Ereignissen in Schlesien, da das Regiment Anhalt zu dem unter Commando seines Chefs stehenden Observationscorps im Magdeburgischen gezogen worden war. Er begab sich aber, als er am 31. Mai 1741 zum Chef des bisher von Borcke'schen Regiments, welches bei König Friedrichs II. Armee in Schlesien stand, ernannt worden, sogleich dahin und traf dasselbe im Lager bei Friedewalde. Fast unmittelbar nach seiner Ankunft begann seine kriegerische Thätigkeit mit der ihm aufgetragenen Vertreibung feindlicher leichter Truppen aus der Gegend von Ohlau und Namslau, dann nahm er unter des Feldmarschalls v. Schwerin Befehl Theil an der am 7. August 1741 erfolgten Ueberrumpelung von Breslau, führte darauf sein Regiment bei allen Bewegungen, die der Einschließung von Neiße vorangingen, half mit bei der Belagerung dieser Festung und bezog nach der Capitulation zu Ende Oct. Winterquartiere in Frankenstein, Ottmachau und Silberberg. Aber schon im December mußte der Prinz diese Quartiere verlassen und zu dem Corps seines Bruders, des Erbprinzen Leopold, stoßen, der schnell die Eroberung der Stadt und Grafschaft Glatz bewerkstelligte. Gleich darauf um Mitte Januars 1742 erhielt der Prinz Befehl, mit seinem Regimente zur Armee des Königs in Mähren zu stoßen, traf dieselbe bei Proßnitz und blieb bei ihr auf dem Vormarsche nach der Gegend von Znaym; dann ward er mit dem Regimente einem Corps zugetheilt, welches unter Führung seines Bruders Dietrich zunächst mehrfache Bewegungen in der Gegend von Iglau sowie gegen und über die ungarische Grenze ausführte und dann Olmütz behauptete, sich bei der Annäherung überlegener feindlicher Kräfte nach Troppau und darauf nach Oberschlesien zurückzog und dort im April Stellung nahm, wobei des Prinzen Moritz' Regiment Quartiere an der Oppa erhielt. Hier blieb der Prinz bis zum Abschlusse des Breslauer Friedens und marschirte dann nach dem Regimentsquartier Stargard zurück, wo er am 13. Juli einrückte und kurz darauf seine Ernennung zum Generalmajor erhielt. Ueber seine bei Recrutirung des Regiments gezeigte Thätigkeit und Sorgfalt bezeugte ihm König Friedrich bei der Besichtigung desselben im J. 1743 seine volle Zufriedenheit. Bei dem im nächsten Jahre, 1744, wieder ausbrechenden Kriege stieß der Prinz mit seinem und dem la Motte'schen Regimente im August zu dem Corps des Erbprinzen Leopold von Dessau, welches dieser bei Peiz versammelte und dann nach Böhmen führte. Prinz M. erhielt|die Führung der Avantgarde, bezog mit derselben das erste Lager bei Brandeis, nahm dann Theil an der unter Befehl des Königs selbst erfolgten Einschließung von Prag bis zur Einnahme dieser Stadt und führte darauf bei dem Marsche der Armee nach dem südlichen Böhmen und später bei dem Rückmarsche bald die Vorhut, bald den Nachtrab, überall große Thätigkeit und Wachsamkeit an den Tag legend. Als der König Böhmen verlassen, übernahm der Prinz das Commando über die Truppen in und um Neiße unter dem Oberbefehl seines Vaters, dem die Vertreibung der österreichischen Truppen aus Oberschlesien übertragen worden. Als Letzterer im Januar 1745 seine Truppen bei Neiße zusammenzog, dann den Oesterreichern unter Traun gegen Neustadt entgegenging und sie zum Rückzug nach Troppau veranlaßte, war auch Prinz M. dabei betheiligt, ward aber auf dem Rückmarsch in Neiße im Februar von einem heftigen hitzigen Fieber befallen und konnte erst im April sich wieder nach Frankenstein zu seinem Regimente begeben. Nachdem König Friedrich im Mai seine Armee bei Frankenstein versammelt, kam es am 4. Juni bei Hohenfriedberg und Striegau zwischen ihm und den Verbündeten Oesterreichern und Sachsen zur Schlacht, die mit dem Rückzug des Feindes nach Böhmen endete. Prinz M. führte den rechten Flügel des ersten Treffens, warf seine Gegner und trieb sie zum Rückzuge, und trug so wesentlich zum glänzenden Siege des Königs bei. Auf dem nun folgenden Einmarsche des letzteren in Böhmen führte der Prinz die Avantgarde bis zum Uebergange der Armee über die Elbe bei Königgrätz und der Beziehung des Lagers bei Chlum. Hier ernannte ihn der König am 20. Juli zum Generallieutenant, ertheilte ihm aber schon zwei Tage darauf den Befehl, unter seinem Bruder Dietrich zu dem Beobachtungscorps zu gehen, welches sein Vater, Fürst Leopold um Magdeburg gegen Sachsen versammelt hatte und in ein Lager bei Dieskau unweit Halle verlegte. Auf Vermittlung Englands ging dieses Corps jedoch bald wieder auseinander und Prinz M. blieb mit 5 Bataillons in Halle stehen; als aber Oesterreich und Sachsen noch im Spätjahre die Feindseligkeiten erneuerten, zog sich dieses Corps schleunigst wieder bei Halle zusammen und rückte am 25. November in das Kurfürstenthum ein. Prinz M. verjagte mit seiner Colonne eine sächsische Abtheilung aus ihrem verschanzten Lager bei Leipzig, welcher Streich die Capitulation der Stadt zur Folge hatte und ebenso gelang es ihm bei dem Vormarsche auf Dresden die schnelle Einnahme von Torgau zu ermöglichen.

    An dem entscheidenden Siege seines Vaters, am 15. December, über die Sachsen bei Kesselsdorf, hatte der Prinz, welcher den linken Flügel führte, den wesentlichsten Antheil. Durch einen tiefen Graben, welcher die Annäherung der Preußen an die hochgelegene Stellung des Feindes erschwerte, trugen ihn seine Soldaten, dann erstieg er mit seinen Bataillonen den beeisten Abhang und warf sich oben angelangt, den Degen in der Faust, mit den Seinigen so heftig auf den ihm gegenüberstehenden feindlichen Flügel, daß dieser nirgends mehr Stand zu halten vermochte und gleich dem übrigen Theile des sächsischen Heeres zum Rückzug gezwungen ward. Des Prinzen Belohnung war der schwarze Adlerorden. Der zehn Tage darauf zu Dresden abgeschlossene Friede führte den Prinzen nach seiner Garnison Stargard zurück und es folgten nun zehn Friedensjahre, die zwar seine militärische Thätigkeit auf Recrutirung, Uebung und Vorführung seines Regimentes, sowie die Theilnahme an verschiedenen Revüen in anderen Provinzen beschränkten, ihm aber, der 1752 auch zum Gouverneur von Cüstrin ernannt worden, dagegen andere Bahnen einer segensreichen Wirksamkeit eröffneten. Denn noch im Todesjahre des Fürsten Leopold von Dessau, 1747, theilte König Friedrich II. dem Prinzen M. mit, daß er beabsichtige, in der Mark, in Vor- und Hinterpommern, vielfach wüste Plätze|urbar zu machen, sie in Cultur zu bringen und mit Bewohnern aus andern Gegenden zu besetzen. Der Prinz erhielt den Auftrag, sich mit den betreffenden königlichen Beamten an Ort und Stelle über die Verhältnisse zu unterrichten, die Anschläge zur Ausführung des königlichen Willens anfertigen zu lassen und dann darüber baldigst Bericht zu erstatten. Schleunigst ging der Prinz ans Werk und noch vor Schluß des Jahres sah er seine Vorschläge, die auf Gründung und Besetzung von an 200 Dörfern hinausliefen, genehmigt und ihre Ausführung, deren Ueberwachung ihm übertragen ward, bereits thunlichst in die Hand genommen. Längere Jahre behielt der Prinz diese Commission, er hatte die Freude zu sehen, daß überall seine Unternehmungen gelangen und sah so seine unermüdliche Sorge für die Sache durch die ihm in reichstem Maße bezeugte Zufriedenheit des Königs mit feiner Geschäftsführung reichlich belohnt.

    Der Ausbruch des dritten schlesischen Krieges im J. 1756 schob die militärische Thätigkeit des Prinzen, der inzwischen den Titel Fürst zu Anhalt angenommen, wieder in den Vordergrund. Am 2. Juli verließ er mit seinem Regimente Stargard und führte dasselbe nach der Gegend von Potsdam, brach dann am 27. August von dort auf, rückte mit andern ihm unterstellten Abtheilungen in Sachsen ein, bewirkte die Uebergabe der Festung Wittenberg, ging dann auf Dresden vor und vereinigte sich bei Rothschönberg mit der Armee des Königs, besetzte mit dieser Dresden und ward dann dem Corps zugetheilt, das unter dem Markgrafen Karl die sächsische Armee im Lager bei Pirna eingeschlossen hielt. Fürst M. sperrte mit seinen Truppen die Straße von Zehist bis Krippen und stand in Groß-Cotta. Nach der Capitulation des sächsischen Heeres am 15. October, erhielt der Fürst den Auftrag, aus den 13 sächsischen Regimentern 10 neue auf preußischem Fuß zu formiren, was ihn nebst vielen nöthigen Reisen durch die verschiedenen Theile der sächsischen Kurstaates, den ganzen Winter hindurch beschäftigte, worauf er sich zu seinem Corps nach Zwickau begab. Von hier brach er am 10. April 1757 auf und wendete sich nach verschiedenen Scheinbewegungen gegen die baierische Grenze, nach Böhmen, stieß zur Armee des Königs bei Lowositz, übernahm dann die Führung der Avantgarde und schlug die Brücken über die Eger, auf welchen die ganze Armee am 27. April den Fluß passirte. Am 2. Mai besetzte Fürst M. die Strecke vom weißen Berge bei Prag bis an die Moldau unterhalb der Stadt, hatte aber keinen Theil an der Schlacht am 6., da er zu einem sich nachher unausführbar zeigenden Versuch, den Fluß oberhalb Prag zu überschreiten, abcommandirt war, fand jedoch bei der Belagerung der Stadt mehrfach Gelegenheit sich auszuzeichnen und ward noch im Mai vom Könige zum General der Infanterie ernannt. In der unglücklichen Schlacht bei Kollin, am 18. Juni 1757, führte M. den linken Flügel, war seinerseits nicht im Nachtheil gegen seinen Gegner und behauptete seine Stellung bis zum Eintritt der Dämmerung, zog aber dann auf Befehl des Königs die Infanterie zusammen und führte sie über Planian nach Nimburg zurück. Als der König mit einem Theile seines Heeres nach Leitmeritz gegangen, führte der Fürst den Rest am 28. in ein Lager bei Jungbunzlau und zog sich von da nach Zittau zurück. Gegen Ende Juli erhielt Fürst M. ein Commando an der böhmischen Grenze bei Groß-Cotta, um Dresden und Pirna gegen feindliche Unternehmungen zu sichern. Er blieb hier bis zum 30. August, worauf er bei Dresden mit dem Könige sich vereinigte und mit ihm nach Thüringen zog, dort aber in der Gegend von Naumburg zurückgelassen ward. Bald darauf erhielt er Befehl nach Torgau zu rücken und Stadt und Umgegend gegen feindliche Vorstöße zu decken und mußte auf die Nachricht vom Anmarsch des Generals Haddik auf Berlin, in Eilmärschen zum Schutze der Hauptstadt dorthin vorgehen. Es gelang ihm zwar nicht, Berlin vor dem Feinde zu erreichen, doch|bewirkte sein Anmarsch, daß die Oesterreicher nach einem Aufenthalte von nur 24 Stunden sich eiligst nach der Oberlausitz zurückzogen. Vom Könige nach Thüringen zurückgerufen, traf er mit seinem Corps am 27. October in Leipzig ein, und hatte das Glück, sich noch an dem glänzenden Siege bei Roßbach am 5. November, wo er mit dem linken Flügel des ersten Treffens der Infanterie zuerst ins Feuer gerieth, betheiligen zu können. Dem Könige nach Schlesien gefolgt, fand er in der Schlacht bei Leuthen, am 5. December, von Neuem Gelegenheit zur Auszeichnung. Er führte den rechten Flügel, leitete die wiederholten Angriffe desselben, wobei er zwei Pferde unter dem Leibe verlor und zweimal leicht verwundet wurde, mit vielem Geschick und so gutem Erfolge, daß ihn der König auf dem Schlachtfelde mit den ehrenvollsten Lobsprüchen zum Feldmarschall ernannte. Nach Vertreibung der österreichischen Armee aus Schlesien, ward Fürst M. am 23. December zur Belagerung des schwachbesestigten Liegnitz entsendet, dessen Garnison alsbald unter Bedingung freien Abzuges die Stadt übergab, worauf der Fürst den Auftrag erhielt, die Postirungen im Gebirge zu formiren, weshalb er sich nach Friedland begab und dort sein Quartier nahm, während der König mit einem großen Theile der Armee in Landshut stand. Diese Stellung verließ Fürst M. erst als der König im April 1758 den Kriegsschauplatz nach Mähren verlegte und am 11. Mai ein Lager bei Smirschitz bezog, wo der Fürst unmittelbar unter ihm commandirte, bald aber den Befehl über das Corps des Feldmarschalls Keith übernahm und sich dann mit dem Corps des Prinzen von Württemberg zu Proßnitz vereinigte. Als der König sich genöthigt sah, die Belagerung von Olmütz aufzuheben und sich nach Böhmen zog, führte Fürst M. mehrfach die Avantgarde und war dann mit bei dem Corps, mit welchem der König im Juli nach der Mark aufbrach um die Russen zurückzuwerfen. In der Schlacht bei Zorndorf befehligte er auf dem linken Flügel und trug durch Einnahme einer Anhöhe viel zum Erfolge des Tages bei. Nach dem Siege ging der König mit der Cavallerie nach Schlesien zurück, während der Fürst die Infanterie nachfühlte. Als die Oesterreicher am 14. October 1758 das preußische Lager bei Hochkirch überfielen, befand sich der Fürst auf dem rechten Flügel mit dem Auftrage, das Dorf Hochkirch gegen etwaige Angriffe zu behaupten. Er drang im Dorfe ohne Erfolg vor, verlor das Pferd und wurde selbst zunächst von einer matten Kugel an der Schulter, sodann von einer zweiten in den Unterleib getroffen und gerieth, als er sich nach der Schlacht zur Heilung seiner Wunden nach Bautzen wollte bringen lassen, in österreichische Gefangenschaft. Es ward ihm gestattet, nach Dessau zu gehen, wo er zwar von seiner Verwundung bald genas, nicht aber Linderung eines Krebsgeschwürs an der Lippe fand, das ihn schon längst belästigt hatte, nun aber mit großer Heftigkeit auftrat und ihn zum innigsten Bedauern seines Kriegsherrn am 11. April 1760 im 48. Lebensjahre dahinraffte.

    Fürst M. war von hoher Gestalt, ansprechendem Aeußern, ernstem Wesen; er zeigte Energie und Bestimmtheit und ging nicht gern von einer einmal gefaßten Ansicht ab. Im Kampfe zeigte er persönlichen Muth und eine glückliche Gabe, das ihm Aufgetragene zu erfassen und pünktlich auszuführen, dagegen ist ihm eine gewisse Aengstlichkeit und Furcht vor der Verantwortlichkeit, wenn er sich selbst überlassen war, nicht abzusprechen. Im friedlichen Leben zeigte er den wirthschaftlichen und die Cultur des Landes fördernden Sinn seines Vaters, wie auch seine Thätigkeit bei den Cultivirungen an der Oder nachweist. Bei und in Dessau erkaufte er große Flächen, auf denen er Vorwerke anlegte, ebenso erwarb er mehrere Güter im Magdeburgischen und in der Mark, sorgte selbst für deren Bewirthschaftuug und verbesserte sie durch Anlegung von mehreren Dörfern.

    Er starb unvermählt in dem Palaste, den ihm sein Vater in der Cavalierstraße zu Dessau erbaut hatte.

    • Literatur

      G. Pauli, Leben großer Helden, Bd. 6. v. Orlich, Fürst Moritz von Anhalt. Lenz, Anhaltische Chronik.

  • Autor

    Siebigk.
  • Empfohlene Zitierweise

    Siebigk, "Moritz, Prinz später Fürst zu Anhalt" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 263-268 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn137568215.html?anchor=adb

Moritz