Name
Posner, Ernst
Namensvarianten
Posner, Ernst Maximilian
Lebensdaten
1892 bis 1980
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Lebensstellung
Archivar
Konfession
evangelisch
Autor NDB
Eckhart G. Franz
Autor ADB
-
GND
137541341

Posner, Ernst Maximilian

Archivar, * 9.8.1892 Berlin, 18.4.1980 Wiesbaden. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Carl (1854–1928, jüd.), Dr. phil. et med., ao. Prof. d. Urologie in B., Geh. Med.rat, S d. Louis P. (1818-68), Geh. Sanitätsrat, u. d. Helene Gaspary ( 1865); M Sophie (1863–1930, jüd.), T d. Anton Rosenberg ( 1900), Anwalt in Gießen, u. d. Julie Hamburger; Ur-Gvv Joseph (s. NDB VI*), Kaufm. in Frankfurt/Oder; Gr-Ov Robert (Eichheim), seit 1836 Gaspary (1800-n. 1858), Baumwollfabr. in B.; Ov Max(imilian) (1850–82), Dr. phil., Archivar am Geh. StA in B. (s. L); – Berlin-Schmargendorf 1929 Katharina (Käthe) Melchior (1895–1979, ev.), aus B., Angest. im Geh. StA, später Immobilienmaklerin in Washington D. C. (USA); kinderlos; Verwandter Adolf Gaspary (1849–92), Prof. f. roman. Philol. in Breslau (s. NDB VI).

  • Leben

    Aufgewachsen im Kulturbürgertum Berlins, begann P. nach dem Abitur am dortigen Friedrich-Wilhelms-Gymnasium 1910 ein Studium der Staatswissenschaften, wechselte aber bald zur Geschichte. Sein Einsatz im 1. Weltkrieg, aus dem er Ende 1918 als Leutnant und Kompanieführer (EK I. Kl.) zurückkehrte, verzögerte den Abschluß. Zu seinen Lehrern zählten Friedrich Meinecke, Otto Hintze, Dietrich Schäfer und der Mediävist Max Tangl, bei dem P. 1920 mit einer Arbeit über das Register Papst Gregors I. zum Dr. phil. promoviert wurde. Der Eintritt in die Archivlaufbahn am Preuß. Geh. Staatsarchiv bot die Möglichkeit zur Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit, die sich auf die Verwaltungs- und Behördengeschichte, insbesondere die Edition der „Acta Borussica“ konzentrierte. P. unterrichtete am „Institut für Archivwissenschaft“. Nach der Zwangspensionierung infolge der Nürnberger Gesetze im Okt. 1935 blieb P. nur die Editionstätigkeit für die Preuß. Akademie der Wissenschaften. Seine Inhaftierung im KZ Sachsenhausen nach dem Novemberpogrom 1938 gab den letzten Anstoß zu der mit einer Amerika-Vortragsreise im Frühjahr 1939 anvisierten Emigration über Schweden in die USA.

    Der Neuanfang wurde dadurch erleichtert, daß P.s fachliche Mitwirkung am wenige Jahre zuvor eingeleiteten Neuaufbau des amerik. Archivwesens mit dem 1935 eingeweihten Nationalarchiv in Washington sehr willkommen war. P. erhielt sofort einen Lehrauftrag an dem von Solon J. Buck eingerichteten Archivkurs der American University, dessen Leitung er mit der Berufung Bucks zum Archivist of the United States 1942 übernahm und bis zur Pensionierung 1961 weiterführte. Seine den amerik. Anforderungen angepaßte Archivwissenschaft, die auch das neuentwickelte Konzept des „Records Management mit einbezog, hat eine ganze Generation von Archivaren in den USA geprägt.

    1947 wurde der 1942 in den USA eingebürgerte P. zum Direktor der „School of Social Sciences and Public Affairs“ berufen, 1955 zum Dean der Graduate School an der American University und im selben Jahr zum Präsidenten der „Society of American Archivists“ gewählt (Ehrenmitgl. 1965). Eine Abschlußbilanz zog seine kritische Bestandsaufnahme des amerik. Archivwesens in der Studie „American State Archives“ (1964). Als Mittler wirkte P. auch nach Europa zurück: durch seine Fachstudien für den Archivschutz in den von 1944/45 von den alliierten Armeen befreiten Ländern, durch Mitarbeit im 1948 neubegründeten „Internationalen Archivrat“ und als Gastdozent an der 1949 eingerichteten Archivschule in Marburg. 1972 kehrte P. nach Europa zurück und ließ sich in der Schweiz (Oberägeri, Kt. Zug), zuletzt in Wiesbaden nieder. Seine Hoffnung, eine mit dem Altertum beginnende Geschichte des Archivwesens zu vollenden, hat sich nicht mehr erfüllt.|

    • Auszeichnungen

      Dr. humane letters h. c. (American Univ., Washington D. C., 1967).

    • Werke

      u. a. Das Reg. Gregors I., in: Neues Archiv d. Ges. f. ältere dt. Gesch.kde. 43, 1922, S. 243-315; Acta Borussica, Denkmäler d. preuß. Staatsverw. im 18. Jh.: Die Behördenorganisation u. d. allg. Staatsverw. Preußens im 18. Jh., Bd. 11/2-15, 1925-36, Bd. 16/1, 1970; Übersicht üb. d. Bestände d. Geh. StA zu Berlin-Dahlem. Hauptabt. I, 1934 (mit E. Müller); Drei Vortrr. z. Archivwesen d. Gegenwart, 1940; American State Archives, 1964; Archives and the Public Interest, Selected Essays, 1967 (W-Verz.); Archives in the Ancient World, 1972. – Wiss. Nachlaß: Nat. Archives, Washington D. C; American Univ., Library, Washington D. C.

    • Literatur

      W. A. Mommsen, E. P., Mittler zw. dt. u. amerik. Archivwesen, in: Der Archivar 20, 1967, Sp. 217-30; St. Skalweit, ebd. 34, 1981, Sp. 447-51; B. Brachmann, ebd., 1993, Sp. 253-57; P. Lewinson, The two careers of E. P., in: Archives and the Public Interest, 1967, S. 7-19; Ph. C. Brooks, The Archival Contribution of E. P., in: Indian Archives, 18, 1969, S. 1-8; E. G. Franz, E. P. u. d. Archivwesen Amerikas, in: Jb. f. Amerikastud. 15, 1970, S. 233-36; E. Henning u. Ch. Wegeleben, Archivare im Geh. StA in Berlin-Dahlem 1924–74, in: Jb. f. brandenburg. Landesgesch. 27, 1976, S. 155-78; U. Helfenstein, in: NZZ v. 10.5.1980; R. A. Ross, in: American Archivist, 1981, S. 304-12; D. Giesecke u. a., E. P. 1892-1980, Archivar in Dtld. u. Amerika, Eine biogr. Skizze, 1997 (P); BHdE II; dt., II, 1992 (W-Verz.; auch zu Max); C. Epstein, A Past Renewed, A Catalog of German-Speaking Refugee Historians in the United States after 1933, 1993.

  • Autor

    Eckhart G. Franz
  • Empfohlene Zitierweise

    Franz, Eckhart G., "Posner, Ernst Maximilian" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 652-653 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn137541341.html
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Posner, Ernst