Name
Martini, Wolfgang
Namensvarianten
-
Lebensdaten
1891 bis 1963
Geburtsort
Lissa (Provinz Posen)
Sterbeort
Ebenhausen/Isar
Beruf/Lebensstellung
General; Fernmelde-, Funkortungs- und Radarexperte
Konfession
reformiert
Autor NDB
Karl Otto Hoffmann
Autor ADB
-
GND
133600246

Martini, Wolfgang

General, Fernmelde-, Funkortungs- und Radar-Experte, * 20.9.1891 Lissa (Provinz Posen), 6.1.1963 Ebenhausen/Isar. (reformiert)

  • Genealogie

    V Karl (1834–1915), Landgerichtsdir. in L., S d. Gymnasiallehrers Clemens Bonifazius u. d. Christiane Wilhelmine Schulz; M Hedwig (1843–1930), T d. Stadtkämmerers Hermann Reinhard Hübschmann aus Neuenburg (Westpr.); B Erich (1880–1953), Prof. d. Med., Marinegeneralarzt, im 1. Weltkrieg Fleckfieberkommissar in Polen, später Erforscher trop. Viruserkrankungen in Bogotá (s. Fischer); - Düsseldorf 1962 Ilse Kattner; kinderlos.

  • Leben

    Nach dem Abitur 1910 trat M. als Fahnenjunker in das Telegraphenbataillon 1 ein und wurde 1912 Leutnant im Telegraphenbataillon 5. Von Beginn seiner Militärzeit an war er mit den damals erst in Entwicklung befindlichen Funkgeräten befaßt. Im 1. Weltkrieg war M. u. a. Führer einer leichten Funkstation bei der 3. Kavallerie-Division während des Vormarschs (1914/15), einer Kleinfunker-Abteilung bei Verdun (1915–17), Funksachbearbeiter beim Chef des Nachrichtenwesens des Heeres (1917/18), Kommandeur der Heeresnachrichtenschule Namur (1918) und nach Kriegsende Lehrer an der Kriegstelegraphenschule Spandau-Ruhleben (1919/20). In der Reichswehr war er 1920-24 Lehrer an der Artillerieschule Jüterbog (Lehrgang D = getarnte Nachrichten[Fernmelde]-Schule) und 1928-33 Gerätereferent für die Nachrichten (Fernmelde)-Truppe im Reichswehrministerium. Dazwischen (etwa 1928/29) absolvierte er eine geheime Pilotenausbildung beim deutschen Flugzentrum in Lipezk (UdSSR) und unternahm dort Versuche mit Fliegerfunkgeräten.

    Im Juli 1933 ging M. zur (erst seit 1935 so genannten) Luftwaffe. Seit Dez. 1933 war er mit Organisation und Aufbau des Luftnachrichtenverbindungswesens (LNVW) und der Luftnachrichtentruppe beauftragt. In dieser Stellung mit stets wachsenden Aufgaben und Verantwortlichkeiten (General der Luftnachrichtentruppe seit 20.9.1941) blieb er bis Kriegsende. Seit Nov. 1941 war er Sonderbeauftragter für Funkmeßtechnik, seit 1944 hatte er die Dienststellung eines Generalnachrichtenführers der Luftwaffe inne. M. schuf ein Fernmeldenetz und eine Flugsicherungs-, Flugmelde-, Funkaufklärungs- und Verbindungsorganisation, die damals in der Welt einzigartig waren. Er bediente sich oft unkonventioneller Methoden (31.5.1939 Fahrt mit einem Luftschiff im Osten der brit. Insel zur Radar-Erforschung) und verwendete modernste Geräte. Mit den „Professoren-Konferenzen“ schuf er ein Gremium, welches ihm die Lösung schwierigster Probleme im „Elektronik-Krieg“ erlaubte.

    Nach mehrjähriger Gefangenschaft und anschließender Tätigkeit bei der C. Lorenz AG in Stuttgart berief das Land Nordrhein-Westfalen M. 1952 als Geschäftsführendes Vorstandsmitglied in den 1951 gegründeten Ausschuß für Funkortung e.V. in Düsseldorf, aus dem 1961 die Deutsche Gesellschaft für Ortung und Navigation hervorging. M.s Bedeutung in diesem Zeitabschnitt seines Wirkens liegt darin, daß er die verstreuten fachlichen Erkenntnisse und Arbeitsunterlagen auf den Gebieten der deutschen Radarentwicklung und -technik und der Navigation aus der Kriegszeit sammelte und die versprengten Fachleute wieder zusammenführte. Auf zahlreichen Fachtagungen führte er Spezialisten der Funkortung aus dem In- und Ausland zusammen. Die Bundesrepublik fand durch seine Initiativen sowohl auf dem Gebiet der militärischen Funktechnik wie auch auf dem der Verkehrssicherheit in der zivilen See- und Luftfahrt wieder Anschluß an die internationale Entwicklung.|– Rettungsmedaille am Band (1941), Ritterkreuz d. Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern (1944), Ehrenmitgl. d. Brit. Institute of Navigation at the Royal Geographical Society (1961); Gr. Bundesverdienstkreuz (1959); Dr.-Ing. E.h. (Hannover 1961).

    • Werke

      Das Luftnachrichtenverbindungswesen im Rahmen d. Wehrmachtsführung (1947, Bundesarchiv/Militärarchiv, Freiburg).

    • Literatur

      L. Brandt, Der Stand d. dt. Zentimeter-Wellen-Technik am Ende d. 2. Weltkrieges, in: Bücherei f. Funkortung II, 1, 1953, bes. S. 76 ff.; ders., Sitzungsprotokolle d. Arbeitsgemeinschaft „Rotterdam“ (brit. Bordradargerät H 2 S), Neudr. 1953; ders., in: Ortung u. Navigation, Vj.mitt. H. 3, 1966; H. Diehl, Zur Gesch. d. Funkmeßtechnik in Dtld. unter bes. Berücksichtigung ihrer Anwendung f. d. Flugfunkortung, in: Bücherei f. Funkortung II, 1, 1953, bes. S. 56 ff.; H. Gießler, Die Entwicklung d. Funkmeßgeräte (Radar) in Dtld. 1933-1945, in: Wehrtechn. Mhh., 1958; N. N. (K. Gottschling), The Radio Intercept Service of the German Air Force, 1955; K. O. Hoffmann, in: Soldat u. Technik, Jg. 1962, S. 500 f.; ders., Die Gesch. d. Luftnachrichtentruppe, 3 Bde., 1965/68/73 (L in I u. II/2, P in I); ders., Luftnachrichtentruppe, in: W. Dierich, Die Verbände d. Luftwaffe, 1976, S. 544 ff.; ders., Signal-, Telegraphen-, Nachrichten- u. Fernmeldetruppe, Von d. Verbindungs- z. Führungstruppe, in: Dt. Soldaten-Jb., Jg. 1981 ff.; ders., W. M., Soldat (1910–45) u. Zivilist (1952–63) im Dienste s. Vaterlandes (Ms. im Bundesarchiv/Militärarchiv, Freiburg/Br); D. Wood u. D. Dempster, The Narrow Margin, The Battle of Britain and the Rise of Air Power 1930–40, 1969, S. 1 f., 15 f., 42, 47, 51; F. Trenkle, Die dt. Funknavigations- u. Führungsverfahren bis 1945, o. J.: ders., Die dt. Funkmeßverfahren bis 1945, 1979, S. 21, 40, 43 f., 50, 144 f.; ders., Die dt. Funkstörverfahren bis 1945, 1981, S. 5, 10, 15 f., 23 f., 74, 119, 124, 126, 162; ders., Die dt. Funkpeil- u. Horchverfahren bis 1945, 1981, S. 5, 12.

  • Autor

    Karl Otto Hoffmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoffmann, Karl Otto, "Martini, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 301 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn133600246.html
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Martini, Wolfgang

NDB Genealogie:

Martini, Wolfgang

Martini, Wolfgang