Name
Mathilde
Namensvarianten
Mathilde von Schwaben
Lebensdaten
949 bis 1011
Geburtsort
-
Sterbeort
-
Beruf/Lebensstellung
Äbtissin von Essen
Konfession
katholisch
Autor NDB
Eckhard Freise
Autor ADB
-
GND
130930571

Mathilde

Äbtissin von Essen, * 949, 5./6.11.1011, Propstei Rellinghausen (heute Essen).

  • Genealogie

    V Hzg. Liudolf v. Schwaben ( 957, s. NDB 14), S d. Kaisers Otto d. Gr. (912–73) u. d. Edith v. England ( 946); M Ida ( 986), T d. Hzg. Hermann I. v. Schwaben ( 949, s. NDB VIII); Ov Kaiser Otto II. (955–83), EB Wilhelm v. Mainz ( 968); Tante Liudgard ( 953, Hzg. Konrad v. Lothringen, 955, s. NDB XII); B Hzg. Otto v. Schwaben u. Bayern (954–82); Vt Kaiser Otto III. (980–1002), Hzg. Otto v. Kärnten ( 1004).

  • Leben

    Nach der Rebellion und dem frühen Tod ihres Vaters wurde M. im Damenstift Essen zur Kanonisse erzogen und 971/73 dort zur Äbtissin bestimmt. Auf die Fürsprache von M.s Bruder Otto, dem engen Vertrauten Ottos II., erhielt Essen 973 das Recht der freien Abtwahl, die Immunität und seinen Besitzstand bestätigt. In den folgenden Jahren verfügte M. mit ihrem Bruder mehrmals reiche Memorialgaben: Das von ihnen gegründete Klerikerstift Aschaffenburg ging in den Besitz der Mainzer Domkirche über; für Essen wurde das sog. ältere Mathilden-Kreuz gefertigt, auf dessen emaillierter Stiftertafel die Geschwister mit Namen und Amtstitel dargestellt sind. Ein weiteres jüngeres Vortragekreuz (wohl Anfang und Mitte des 11. Jh. zu datieren) zeigt M. in ähnlicher Weise inschriftlich benannt. Die um 980 entstandene Lilienkrone, die als Weihgabe für die Goldene Madonna im Essener Münsterschatz nachträglich verkleinert wurde, könnte zuvor der dreijährige Otto III. 983 bei seiner Krönung in Aachen getragen haben; die Patenschaft M.s läßt sich freilich nicht belegen, sondern nur erschließen. Dagegen dürfte es wahrscheinlich sein, daß die gleichnamige Schwester Ottos III. in Essen erzogen wurde. Ein vermutlich vom selben Herrscher geschenktes Zeremonialschwert mit Goldscheide hat M. in ihrer Funktion als Äbtissin empfangen – zu welchem Zeitpunkt ist unsicher, wohl am ehesten anläßlich des Königsbesuchs von 993, bei dem nochmals die Essener Privilegien bekräftigt wurden, vielleicht auch erst 997 in Dortmund, als M. Königsgüter an der oberen Leine erhielt. Nach ihrem Auftrag wurden der siebenarmige Bronzeleuchter (wie alle schon genannten Arbeiten im Münsterschatz Essen) und der Marsus-Reliquienschrein (inzwischen verloren) gefertigt. Den Florinus-Kult transferierte sie von der Stiftung des konradinischen Großvaters, St. Florin/Koblenz. Mütterliches Erbgut bei St. Gallen und im Westerwald wurde an das Kloster Einsiedeln und an das Koblenzer Florin-Stift tradiert; zudem trat M. als Intervenientin 990 für Schenkungen ihrer verstorbenen Mutter an das Nonnenkloster Hilwartshausen auf. 1003 bestätigte Heinrich II. neuerlich den Rechtsstatus Essens und trat 1011 das Erbe M.s an. In der 998 auf dem Oberhof Rellinghausen gestifteten Kapelle fand M. ihr Grab. Nicht nur in Diplomen ist M.s Blutsverwandtschaft mit dem Königshaus mehrfach betont. Der Ealdorman Aethelweard von Wessex stand in regem brieflichem Kontakt mit M. und widmete ihr 980 als seiner Verwandten – die Königstochter Edith war die erste Gemahlin Ottos d. Gr. gewesen – seine angelsächs. Chronik in lat. Sprache, in der an die gemeinsame Abstammung von Alfred dem Großen und an die Verwandtschaft von Sachsen und Angelsachsen erinnert wird.

    • Literatur

      Qu.: Continuatio Reginonis, ed. F. Kurze, MGH SS rer. Germ., 1891, a. 949, S. 164; Chronicon Aethelweardi, ed. A. Campbell, 1962, Widmungsbrief, S. 1 f., c. II, 2, S. 38 f. u.ö.; DD O I Nr. 325, O II Nr. 49. O III Nr. 59/60, 114, 242. H II Nr. 39 a/b, 335; Brunwilarensis mon. fundatorum actus, ed. G. Waitz, MGH SS 14, 1883, c. 5 f., S. 127 ff.; Notae Aschaffenburgenses, ed. H. Bresslau, MGH SS 30, 2, 1934, S. 757-60; UB Stift St. Peter u. Alexander/Aschaffenburg, ed. M. Thiel, 1986, Nr. 15 f., S. 65 ff. (– 982), Nr. 18, S. 79 ff.; UB z. Gesch. d. mittelrhein. Territorien, ed. H. Beyer, 1, 1860, Nr. 227 (St. Florin/Koblenz); Quellenwerk z. Entstehung d. Schweizer Eidgenossenschaft, II, 3, bearb. v. P. Kläui, 1951, S. 367 (Jahrzeitbuch Einsiedeln 17.5.); Annales Quedlinburgenses, ed. G. H. Pertz, MGH SS 3, 1839, a. 1011, S. 80; K. Ribbeck, Ein Essener Necrologium aus d. 13. u. 14. Jh., 1900, S. 124 (5.11.); vgl. Totenbuch Merseburg, hrsg. v. G. Althoff u. J. Wollasch, MGH Libri memoriales et Necrologia NS 2, Faks. S. 15 (6.11.): – Darst.: O. Seemann, Die Äbtissinnen v. Essen, Nach d. Brüsseler Kat. mit Varianten u. Anm., 1883, S. 1-44; P. Clemen, Die Kunstdenkmäler d. Stadt u. d. Kreises Essen, 1893, S. 40 ff.; G. Human, Die Kunstwerke d. Münsterkirche zu Essen, 1904; A. Hofmeister, Die älteste Überlieferung v. Aschaffenburg, mit Btrr. z. Gesch. d. sächs. Königshauses, in: MIÖG 35, 1914, S. 260-77; W. Zimmermann, Das Münster zu Essen, 1956, S. 55 ff.; P. Bloch, Der Stil d. Essener Leuchters, in: Das Erste J.tausend, Kunst u. Kultur im werdenden Abendland an Rhein u. Ruhr, Textbd. 1, 21963, S. 534-48; H. Keller, Kloster Einsiedeln im otton. Schwaben 13, 1964, S. 42 f., 108, 110 f.; L. Küppers u. P. Mikat, Der Essener Münsterschatz, 1966, S. 30 ff., Tafeln Nr. 5 ff.; A. Diederich, Das Stift St. Florin zu Koblenz, 1967, S. 20 ff.; Rhein u. Maas, Kunst u. Kultur 800-1400, Ausst.kat. Bd. 1, 1972, S. 189 f.; K. Leyser, Die Ottonen u. Wessex, 1983, S. 74, 91 f.; P. E. Schramm u. F. Mütherich, Denkmale d. dt. Könige u. Kaiser, Bd. 1, 21981, Nr. 81, 86; G. Althoff, Adels- u. Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung, Stud. z. Totengedenken d. Billunger u. Ottonen, 1984, S. 357; E. Hlawitschka. Kgn. Richeza v. Polen – Enkelin Hzg. Konrads v. Schwaben, nicht Kaiser Ottos II.?, in: Institutionen, Kultur u. Ges., Festschr. J. Fleckenstein, 1984, S. 221-44; H. Tiefenbach, Xanten-Essen-Köln, Unterss. z. Nordgrenze d. Althochdeutschen an niederrhein. Personennamen d. 9.-11. Jh., 1984, S. 129 ff.; Ornamenta Ecclesiae, Kunst u. Künstler d. Romanik I, 1985, S. 60, 149 f.

    • Portraits

      Stiftertafeln d. Essener Mathildenkreuze, Abb. s. Küppers-Mikat, 1966, sowie Rhein u. Maas, Ausst.-Kat. 1972 (beides s. L).

  • Autor

    Eckhard Freise
  • Empfohlene Zitierweise

    Freise, Eckhard, "Mathilde" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 374 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn130930571.html
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