Name
Backoffen, Hans
Namensvarianten
Backoff, Hans; Backoffenn, Hans; Backoiffen, Hans; Backofen, Hans; Sulzbach, Hans von; Sultzpach, Hans von
Lebensdaten
1470 bis 1519
Geburtsort
-
Sterbeort
Mainz
Beruf/Lebensstellung
Bildhauer
Konfession
katholisch?
Autor NDB
Peter Metz
Autor ADB
-
GND
11906510X

Backoffen (Backoff, Backoffenn, Backoiffen, Backofen), Hans, von Sulzbach (Sultzpach)

Bildhauer, * um 1470/75 (?), 21.9.1519 Mainz.

  • Genealogie

    Herkunft wahrscheinlich aus Sulzbach bei Aschaffenburg oder Höchst/Main (andere Orte des Namens im Kreis St. Wendel, Kreis Birkenfeld, bei Saarbrücken und in der Oberpfalz); Catharina Fustin ( 25.10.1519), wahrscheinlich aus der angesehenen Mainzer Goldschmiedfamilie Fust; der Name Backoffen vielleicht Beiname nach dem von Backoffen häufig benutzten sog. Backofenstein (Eiffeltuff).

  • Leben

    B., dessen Geburtszeit nur aus seinem Stil zu erschließen ist, war Bürger von Mainz und gehörte der Goldschmiedezunft (?) an. Bereits unter Uriel von Gemmingen (1509–14) stand er urkundlich nachweisbar in erzbischöflichen Diensten. Albrecht von Brandenburg bestätigte ihm 1515 Zollfreiheit für den Transport seiner Bildwerke und des Steinmaterials auf Rhein und Main und bestallte ihn als Hofbildhauer („Hofdiener“); 1517 erteilte er ihm weitere Freiheiten. B. wird zuerst 1509 urkundlich genannt als|„Bildschnitzer“ mit Beziehung auf ein Kruzifix für St. Stephan, Mainz, dann 1514 als „Bildhauer“ mit Beziehung auf die 1510/11 errichtete Kreuzigungsgruppe auf dem St. Peterskirchhof in Frankfurt/Main. Er war Mitglied der Bruderschaft des St. Stephansstiftes in Mainz. Aus ihrem Testament ließen er und seine Frau die Kreuzigungsgruppe bei St. Ignaz in Mainz errichten. Er arbeitete vornehmlich in Stein (Eiffeltuff, Sandstein); erhaltene Holzbildwerke seiner Hand sind nicht sicher nachweisbar.

    B. verbrachte vielleicht eine Lehrzeit bei T. Riemenschneider in Würzburg und erfuhr daneben Anregungen durch H. Seyfer von Heilbronn und durch Plastik des Oberrheins, auch durch Dürer und Grünewald, der wohl sein Altersgenosse war und ebenfalls Hofkünstler unter Albrecht von Brandenburg. Auch gegenseitige Anregung beider Künstler ist möglich. Innerhalb der älteren mittelrheinischen Plastik bestanden bei B. Verbindungen zu dem Meister des Adalbert-Denkmals, Hans von Dürn, und dem Meister „mit dem Brustlatz“. Die Hauptepochen seiner Stilwandlungen sind am deutlichsten faßbar an den drei Denkmälern des Mainzer Doms, von der Tradition des 15. Jahrhunderts über die Erfahrung des eigenständigen, organisch-lebendigen Körpers zur Erfahrung der Einheit von Körper, Raum und Licht. Seit dem Liebenstein-Denkmal verwandte er italienische Renaissancemotive. Mit seiner geistigen Grundhaltung wurzelte B. am Mittelrhein, der wohl spannungsreichsten deutschen Kunstlandschaft. Zwischen ihren gegensätzlichen Polen, dem Meister des Adalbert-Denkmales und Grünewald, vertrat er eine Synthese, deren klassisch verhaltener, „lyrischer“ Affektausdruck gewöhnlich als spezifisch mittelrheinisch angesehen wird. Innerhalb der gesamtdeutschen Kunst ist B. zusammen mit dem Niederbayern H. Leinberger Hauptrepräsentant des sog. spätestgotischen Barock, der bei aller Anerkennung der Eigenständigkeit des sinnlich Erfahrbaren den Bruch mit dem transzendent gerichteten Mittelalter noch nicht vollzogen hat. Schulwerke, auch Werke selbständiger Nachfolger sind weit verbreitet (z. B. Halle/Saale) und Einflüsse bis in die Mark Brandenburg und den deutschen Nordosten nachweisbar.

    • Werke

      Urkundl. gesichert: Kruzifix (Holz, Mainz, St. Stephan, 1509 (verloren); Kreuzigungsgruppe, Frankfurt a. M., St. Peterskirchhof, um 1510/11 (Christuskopf, Hist.-Mus.); stilkrit. gesichert u. vorwiegend eigenhändig: Denkmäler d. EB B. v. Henneberg, um 1505, J. v. Liebenstein, um 1509/10, U. v. Gemmingen, um 1515-17 im Mainzer Dom; Kreuzigungsgruppe v. St. Bartholomäuskirchhof, Frankfurt a. M.; Grabmal d. W. v. Hynsperg v. Frankfurt, Eberbach (Rheingau), Klosterkirche, um 1511; Denkmal d. Kanonikus P. Luthern, Oberwesel, Stiftskirche, um 1515; Epitaph d. W. v. Reiffenberg, Kronberg i. T., Pfarrkirche, um 1518; vorwiegend Werkstattarbeiten: Kreuzigungsgruppen, Eltville (Rheingau), um 1505, Hattenheim (Rheingau), um 1508–10, Erbach (Rheingau) um 1508–10, Wimpfen a. Berg, um 1510–14, Hessenthal Spessart, 1519, Mainz St. Ignaz, um 1519/20; Taufstein Eltville, Pfarrkirche, 1517; Grabmal d. Ehepaars Joh. v. Kronberg, Kronberg i. T., Burgkapelle; Epitaph d. Ehepaars A. v. Allendorf, Eberbach, Klosterkirche, um 1518/19.

    • Literatur

        G. Dehio, Der Meister d. Gemmingen-Denkmals im Dom zu Mainz, in: Jb. d. Kgl. Preuß. Kunstslgg. 30, 1909, S. 139-52;  P. F. Schmidt, Der Meister d. Berliner Martin u. Hans v. Heilbronn, in: Mhh. f. Kunstwiss. 2, 1909, S. 338-55;  P. Kautzsch, Der Mainzer Bildhauer H. B. u. seine Schule, 1911;  F. Th. Klingelschmitt, Mag. Valentinus Lapicida de Moguntia, 1918, S. 82 ff.;  K. Simon, Das sog. Eselweck-Grabmal v. H. B., in: Mhh. f. Kunstwiss. 12, 1919, S. 283-85;  R. Kautzsch u. E. Neeb, Der Dom zu Mainz, 1919, S. 258 ff. u. ö.;  P. Kautzsch, Der Mainzer Dom u. seine Denkmäler, 1925;  G. Lill, Dt. Plastik, 1925, S. 141 ff.;  A. Feulner, Die dt. Plastik d. 16. Jh.s, 1926, S. 24;  W. Pinder, Die dt. Plastik, T. 2, 1928, S. 451 ff.;  ders., Die dt. Kunst d. Dürerzeit, 1940, S. 316 ff.;  R. Schnellbach, Spätgot. Plastik im unteren Neckargehiet, in: Heidelberger Kunstgesch. Abhh., 1931, S. 100-05, 169;  H. Weigert (u. W. Hege), Die Kaiserdome am Mittelrhein, Speyer, Mainz u. Worms, 1933, S. 71 f.;  G. Braune-Plathner, H. B., Diss. Halle 1934;  A. Schmidt, Unbek. Werke H. B.s, in: Trierer Ztschr., Jg. 13, 1938, S. 137-48;  M. Chamot, Early baroque tendencies in German Sculpture, in: Apollo 27, 1938, S. 316-19;  O. Hübner, Ein Großwerk dt. Bildhauerei in Hessenthal, in: Mainfranken 27, 1941, S. 6 f.;  ThB.

  • Autor

    Peter Metz
  • Empfohlene Zitierweise

    Metz, Peter, "Backoffen, Hans, von Sulzbach" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 506 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn11906510X.html
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Backoffen, Hans

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