Name
Schmid, Martin
Namensvarianten
Esmid, Martinus
Lebensdaten
1694 bis 1772
Geburtsort
Baar (Kanton Zug)
Sterbeort
Luzern
Beruf/Lebensstellung
Jesuit; Missionar; Musiker; Baumeister
Konfession
unbekannt
Autor NDB
Johannes Meier
Autor ADB
-
GND
119007053

Schmid (Esmid), Martin(us)

Jesuit, Missionar, Musiker, Baumeister, * 26.9.1694 Baar (Kanton Zug), 10.3.1772 Luzern, ⚭verheiratet Luzern, Sankt Franz Xaver-Kirche.

  • Genealogie

    V Martin (1626–1712), Säckelmeister auf dem Büel; M Maria Katharina Hurter ( 1747); Geschw Franz Silvan (1697–1770), Pfleger auf (dem) Büel, Franz (Taufname: Jakob Christoph) (1701–78), Kapuziner u. a. im Rigi Klösterli u. in Wil (Thurgau), Anna Maria (1703–76, Caspar Anton Kreuel).

  • Leben

    S. war seit 1710 Schüler des Jesuitenkollegs in Luzern, wo er 1713 das Gymnasium, 1716 das Philosophiestudium und 1717 das erste Jahr des Theologiestudiums abschloß. Im Sept. 1717 trat er in Landsberg in die Gesellschaft Jesu ein und absolvierte dort bis 1719 das Noviziat. Dann unterrichtete er drei Jahre im Jesuitenkolleg zu Hall in Tirol. 1722-26 studierte er Theologie in Ingolstadt und wurde 1726 in Eichstätt zum Priester geweiht. Für die südamerik. Missionen bestimmt, brach er im Sommer 1726 nach Sevilla auf, wo er wegen einer engl. Blockade der span. Häfen für 2¼ Jahre an der Weiterfahrt gehindert war; er nutzte den Aufenthalt für Sprachstudien, Übersetzungsarbeiten und Seelsorgsaushilfe. Am 24.12.1728 gelang die Abreise von Spanien; Mitte April 1729 traf S. in Buenos Aires ein und fuhr von hier über Córdoba, Tucumán, Potosí und Chuquisaca (heute: Sucre) in die zur Ordensprovinz Paraguay gehörenden, im ostbolivian. Tiefland gelegenen Chiquitos-Missionen weiter.

    1730-40 wirkte S. im ältesten, 1691 gegründeten Missionsdorf San Javier (ca. 200 km nordöstl. von Santa Cruz de la Sierra). Bereits hier verknüpfte er seine Verkündigungsarbeit mit musikalischer Erziehung. Aus Potosí hatte er eine sechsregistrige Orgel mitgebracht; er führte in der Mission die polyphone barocke Kirchenmusik ein und rief Chöre und Orchester ins Leben, für die er auch komponierte und Instrumente baute.

    1734 legte S. in Concepción das 4. Gelübde der Jesuiten ab. Seine weiteren Stationen waren San Rafael (1740–49), erneut San Javier (1749–52) und Concepción (1752–56). An diesen drei Orten errichtete er, an einen lokalen Bautyp anknüpfend, prächtige Kirchen aus Holz und Lehm, sorgfältig proportioniert, architektonisch durchgestaltet und mit reichen Schnitzaltären ausgeschmückt; sie wurden 1990, zusammen mit den Kirchen seiner Schüler und Nachfolger in San Miguel, San José und Santa Ana, von der UNESCO in die Liste der Weltkulturgüter aufgenommen. Zuletzt, seit ca. 1761, wirkte S. in San Ignacio; dort und in San Miguel, wo er seinen Mitbruder P. Johann Mesner (1703–68) unterstützte, kümmerte er sich besonders um Herstellung und Vergoldung der Altäre und die Ausmalung der Kirchen.

    1767 wurden die Jesuiten aus allen Ländern der span. Krone vertrieben. Ende des Jahres ereilte den 73jährigen S. in San Ignacio de Chiquitos (Paraguay) die Ausweisungsorder Kg. Karls III. Der Rückweg war beschwerlich und dauerte drei Jahre: Überquerung der Anden, Verschiffung von Arica nach Lima, dort Internierung, Verschiffung nach Panama, Überquerung der Landenge nach Portobelo, erneute Internierung, Verschiffung nach Cartagena, dann nach La Habana (Kuba), schließlich nach Cadiz, 15monatige Internierung in Puerto de Santa Maria, dann Freilassung, Schiffsreise nach La Spezia, schließlich auf dem Landweg über Bologna, Mantua, Trient, Innsbruck und Landsberg nach Augsburg, wo S. Mitte Nov. 1770 eintraf. Im Frühjahr 1771 übersiedelte er in das Luzerner Kolleg.

    S. war ein hochbegabter Priester mit vielfältigem handwerklichen Können und von|künstlerischer Veranlagung. Sein theoretisches und praktisches Wissen in verschiedenen Bereichen des Handwerks, auch in der Landwirtschaft, insbesondere aber in der Kunst und in der Musik gab er den Chiquitanos weiter, bei denen er überaus beliebt war. Auch um Verschriftlichung und Erhalt der Chiquitano-Sprache erwarb sich S. große Verdienste. Sein Lebenswerk hatte entscheidenden Anteil am Gelingen der Inkulturation des Christentums in diesem indian. Volk.

    • Werke

      Wb. d. Chiquitano-Sprache mit Anhang v. kleineren geistl. Texten in derselben (La Paz, Biblioteca de la Sociedad Geográfica);  – Korr.: 36 erhaltene Briefe im Fam.archiv Schmid in Baar;  zwei Briefe im Bayer. HStA München, Jes 579/26 u. 29;  ein Brief im StA Zug;  – Komp.: im diözesanen Musikarchiv v. Chiquitos in Concepción, Bolivien.

    • Literatur

      J. M. Peramás, De vita et moribus tredecim virorum paraguaycorum, Faenza 1793, S. 405-60;  F. A. Plattner, Ein Reisläufer Gottes, Das abenteuerl. Leben d. Schweizer Jesuiten P. M. S. aus Baar (1694–1772), 1944;  ders., Genie im Urwald, Das Werk d. Auslandsschweizers M. S. aus Baar (1694–1772), 1959;  Werner Hoffmann, Vida y obra del Padre M. S. SJ, 1981;  H. Roth, Wie es damals geschah, in: A. E. Bösl, Bolivien-Report III., Berr. aus d. Dombauhütte e. Franziskanermission in Boliviens Urwald, 1984, S. 11-43;  Rainald Fischer (Hg.), P. M. S. SJ, 1694–1772, Seine Briefe u. sein Wirken, 1988;  J. Baumgartner, Missionalia Helvetica, Zu drei Schweizer Missionspionieren, in: Neue Zs. f. Missionswiss. 46, 1990, S. 200-15;  St. Fellner, Numerus Sonorus, Musikal. Proportionen u. Zahlenästhetik d. Jesuitenmissionen Paraguays am Bsp. d. Chiquitos-Kirchen des P. M. S. SJ (1694–1772), 1993;  E. Kühne (Hg.), M. S. 1694-1772, Missionar – Musiker – Architekt, Ein Jesuit aus d. Schweiz b. d. Chiquitano-Indianern in Bolivien, Ausst.kat. Luzern 1994;  S. Falkinger, „… weil wir Christen sind u. keine Heiden …“, Die Schr. b. den Chiquitanos (Monkota) im Tiefland Boliviens, in: Johannes Meier (Hg.), Sendung – Eroberung – Begegnung, Franz Xaver, die Ges. Jesu u. d. kath. Weltkirche im Za. d. Barock, 2005, S. 425-43;  Johannes Meier, Zur Bedeutung d. Musik in d. amerik. Missionen d. Jesuiten, in: Kirchenmusik zw. Säkularisation u. Restauration, hg. v. F. W. Riedel, 2006, S. 73-90.

  • Autor

    Johannes Meier
  • Empfohlene Zitierweise

    Meier, Johannes, "Schmid, Martin" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 153-154 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn119007053.html
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Schmid, Martin

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