Name
Härtel, Gottfried Christoph
Namensvarianten
Härtel, Gottfried
Lebensdaten
1763 bis 1827
Geburtsort
Schneeberg (Erzgebirge)
Sterbeort
Cotta bei Pirna
Beruf/Lebensstellung
Musikverleger; Buchhändler
Konfession
lutherisch
Autor NDB
Wolfgang Schmieder
Autor ADB
-
GND
118835572

Härtel, Gottfried Christoph

Musikverleger, * 27.1.1763 Schneeberg (Erzgebirge), 25.7.1827 Cotta bei Pirna. (lutherisch)

  • Genealogie

    V Franz Christoph (1714–67), Dr. iur., Bgm. v. Sch. seit 1762, S d. Christoph (1670–1750), Advokat in Sch. u. Akzis-Insp. zu Zwönitz, u. d. Pastoren-T Sophia Magd. Heyden; M Joh. Concordia (1727–1806), T d. Kauf- u. Handelsmanns Theodor Hausdörffer (1696–1741) in Chemnitz u. d. Johanna Heeg; Leipzig 1800 Amalie Eleonore (1781–1811), T d. Joh. Heinr. Klötzer, Stadtgerichtskopist in Leipzig, u. d. Eleonore Walburger; 2 S, 3 T, u. a. Hermann (1803–75), Raymund (1810–88), sie führten gemeinsam d. Verlag Breitkopf & Härtel weiter u. gewannen v. d. großen Meistern d. Romantik u. a. Mendelssohn, Schumann u. Chopin zu Verlagsautoren, auf ihre Initiative geht auch d. große krit. Gesamtausgabe d. Werke J. S. Bachs (1851–99) u. der Beethovens (1862–65) zurück, Adele ( Alfred Wilh. Volkmann, 1889, Prof. d. Physiol. u. Anatomie in Halle), Pauline ( Karl v. Hase, 1890, luth. Theologe in Jena); E (Erben d. Verlags) Ludw. Volkmann (1870–1947), Kunstschriftsteller (s. L), Oskar v. Hase (1846–1921), letzterer war nach J. G. I. Breitkopf und G. C. Härtel der 3. bes. hervorragende Leiter d. Musikverlages. Kluge Verleger. Maßnahmen in d. Auflockerung d. wertvollen Erbes, Heranziehung d. führenden dt. Musikwissenschaftler an seinen Verlag, Herausgabe neuer krit. Gesamtausgg. (Palestrina, Lasso, Schütz, Mozart, Schubert, Mendelssohn, Schumann u. a.), großer wiss. Reihenwerke (Denkmäler dt. Tonkunst u. Denkmäler d. Tonkunst in Österreich) u. bedeutender musikwiss. Zss., Forderung d. Bach-Renaissance durch d. Verankern d. „Neuen Bachgesellschaft“ u. ihrer Publl. in seinem Haus verschafften d. Verlag in d. 2. Hälfte d. 19. u. d. 1. Viertel d. 20. Jh. e. zentrale Stellung im dt. Musikverlagswesen (s. L).

  • Leben

    H. studierte in Leipzig Jura, war als Hauslehrer in Glauchau und als Privatsekretär in Dresden tätig und verband sich 1795 durch einen „Sozietätskontrakt“ mit Christoph Gottlob Breitkopf, dem 2. Sohn Johann Gottlob Immanuel Breitkopfs. Diese Stellung verschaffte dem klugen, humanistisch gebildeten und unternehmungsmutigen Mann die Selbständigkeit, nach der er gesucht hatte. Der Musikverlag Breitkopf war gegen das Ende des 18. Jahrhunderts mehr und mehr in eine bedrängte wirtschaftliche Lage geraten. H. konnte dank seines geschickten Eingreifens noch in der Zeit seines Zusammenwirkens mit Breitkopf das Unternehmen wieder festigen, so daß Breitkopf schon 1796 einen geheimen Kaufvertrag mit ihm abschloß. Kurz vor seinem Tode 1800 setzte dieser ihn zudem als Universalerben ein. So hatte H. schon kurz nach seinem Eintritt in das berühmte Musikverlagshaus alle Verantwortung übernommen und konnte es nun Schritt für Schritt einer zweiten Blüte entgegenführen. Schon seine beiden ersten Unternehmungen wirkten sich für den Verlag gut aus. Er erkannte, daß ein enges Zusammenwirken zwischen einer anerkannten und führenden Zeitschrift und einem Verlag glücklich und nutzbringend sein mußte, und schuf mit Johann Friedrich Rochlitz als Redakteur die „Allgemeine Musikalische Zeitung“ (1798 ff.), an der auch E. T. A. Hoffmann schrieb und die H. nach Rochlitz' Tode 1819-27 selbst redigierte. Und er übertrug den Gedanken der Herstellung von Gesamtausgaben der Werke berühmter Dichter auf die Musik und gab „Oeuvres complettes“ von Mozart (1798 ff.) und Haydn (1800 ff.) heraus, denen sich später noch Ausgaben kleinerer Meister der Zeit (Clementi, Dussek, Steibelt) anschlossen. Beide Ideen sollten sich später unter seinem Enkel Oskar von Hase erneut erfolgreich durchsetzen. H. wandte seine Aufmerksamkeit aber auch intensiv den technischen Aufgaben des Notendruckes und seiner Rentabilität zu. Er stellte in zahlreichen Versuchen den besten wirtschaftlichen Nutzen der beiden klassischen Techniken des Notenstiches und des von J. G. I. Breitkopf neu entdeckten beziehungsweise verbesserten Notentypendruckes fest, wobei er den Stich wieder in seine alten Rechte einsetzte und den Typendruck im wesentlichen auf solche Fälle beschränkte, bei denen sich auf einer Seite neben Noten viel Text, wie etwa bei Liederbüchern aller Art, befand. Außerdem stand er dem damals aufkommenden Verfahren der Lithographie sehr aufgeschlossen gegenüber. Seine jahrelange Freundschaft mit Aloys Senefelder führte dazu, daß sein Verlag als erster deutscher Musikverlag Notenlithographie in hervorragender Qualität und auf breiter Basis anwendete.

    Sein Interesse und seine Begabung für technische Fragen führten H. auch zur Errichtung einer eigenen Klavierfabrik innerhalb des Verlages 1816, nachdem er 9 Jahre hindurch an der Konstruktion von Instrumenten mit schwererem und voluminöserem Ton gearbeitet hatte. Seine Flügel waren sehr begehrt. Mendelssohn, Schumann und Wagner spielten und lobten sie, die Fabrikation lief noch bis 1874 weiter.

    H. wußte durch seine kluge und geschickte Art die großen Musiker der Zeit an sich zu ziehen und einmal geknüpfte Bande zu festigen. Er war einer der ersten Musikverleger, die Verständnis für das frei schaffende, nicht durch ein kirchliches oder weltliches Amt gebundene Genie aufbrachten. Besonders eng waren die Verbindungen zu Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven. Mozart war vor Eintritt H.s in den Verlag gestorben, aber über seine Witwe Constanze und ihren 2. Mann, den Mozartbiographen Georg Nikolaus von Nissen, knüpften sich zu Mozarts Werk so enge Beziehungen, daß H. in der Lage war, seine Idee der Veröffentlichung von „Oeuvres complettes“ mit denen Mozarts an erster Stelle zu verwirklichen. Von Haydn verlegte er neben dem Gesamtausgabenversuch zahlreiche Einzelwerke, so vor allem die „Schöpfung“, die „Jahreszeiten“ und mehrere Instrumentalwerke. Für Beethoven brachte er 1801-13 fünfundzwanzig Werke heraus, unter ihnen die 5. und 6. Sinfonie, die Chorphantasie, den Fidelio, die Egmont-Musik und das Sextett op. 71. Und schließlich zeigte H. auch darin großen verlegerischen Weitblick, daß er auf die Werke Händels und insbesondere J. S. Bachs zurückgriff, für den sich nach 1800 gerade die ersten schwachen Stimmen erhoben und der zu dieser Zeit noch kaum ein Publikum hatte. 1802/03 gab er die Motetten Bachs, 1803 den „Messias“ von Händel, 1811 Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ und 1827 die Reformationskantate „Ein feste Burg ist unser Gott“ heraus. – Als literarisch hochgebildeter Mann begründete H. 1812 auch die berühmte „Leipziger Literaturzeitung“.

    • Literatur

      ADB III (in Art. Breitkopf);  Herm. v. Hase, Joseph Haydn u. Breitkopf & H., 1909;  Oskar v. Hase, Breitkopf & H., Gedenkschr. u. Arbeitsber., 2 Bde., 1917-19 (P);  Der Bär, Jb. v. Breitkopf & H. auf d. J. 1924-29/30, 6 Bde., 1924-30 (P in Jg. 1927);  W. Schmieder, Das Archiv d. Hauses Breitkopf & H., in: Allg. Musikztg. 65, 1938. - Zu E L. Volkmann: Börsenbl. d. dt. Buchhandels v. 13.1.1945; |W. Schmieder, Breitkopf u. Härtel, in: MGG II, Sp. 256-65;  - Zu E Oskar v.von Hase: J. Hohlfeld, in: DBJ III, S. 122-25 (L, u. Tl. 1921, W, L).

  • Autor

    Wolfgang Schmieder
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmieder, Wolfgang, "Härtel, Gottfried Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 450-452 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118835572.html
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Härtel, Gottfried Christoph

Härtel, Gottfried Christoph