Name
Schering, Arnold
Namensvarianten
Schering, Arnold; Schering, Karl Dietrich Arnold
Lebensdaten
1877 bis 1941
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Lebensstellung
Musikwissenschaftler
Konfession
evangelisch
Autor NDB
Bernhold Schmid
Autor ADB
-
GND
118754688

Schering, Karl Dietrich Arnold

Musikwissenschaftler, * 2.4.1877 Breslau, 7.3.1941 Berlin. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Garl Gustav, aus Arendsee b. Magdeburg, Kaufm., Kunstverleger, ließ sich 1873 in Breslau, 1878 in Dresden nieder, wo er d. Kunstverlag Gustav Lohse übernahm; M Bertha Riechert; Schw Adele (* 1881, Karl Heussi. 1877-1961, o. Prof. f. KGesch. in Jena, s. NDB IX); – 1907 Ingrid (1878–1933), T d. Ernst Schering (s. 1) u. d. Maria Heliodora Malmsten.

  • Leben

    S. wuchs in Dresden auf und besuchte das dortige Annen-Realgymnasium (Abitur 1896). Geigenunterricht erhielt er u. a. in der Privatklasse von Henri Petri und, da er eine berufliche Ausübung beabsichtigte, seit 1896 bei Joseph Joachim (1831–1907) an der kgl. Hochschule für Musik in Berlin. An der Universität begann er bei Oskar Fleischer und|Carl Stumpf das Studium der Musikwissenschaft, daneben der Literaturgeschichte und Philosophie. Nach einem Semester im Sommer 1900 in München bei Adolf Sandberger (1864–1943) wechselte er zu Hermann Kretzschmar (1848–1924) nach Leipzig, wo er 1902 mit einer Dissertation über die „Geschichte des Instrumental-(Violin-)Konzerts bis Ant.Anton Vivaldi“ promoviert wurde (1903, erw. 1909). Daneben arbeitete er als Musikkritiker und Redakteur von Zeitschriften. So leitete er 1903-05 die „Neue Zeitschrift für Musik“ und gab seit 1904 das „Bach-Jahrbuch“ heraus (bis 1939). Seine Leipziger Habilitationsschrift von 1907 hatte „Die Anfänge des Oratoriums“ zum Inhalt; sie erschien erweitert als „Geschichte des Oratoriums“ 1911. Seit 1915 las S. als ao. Professor in Leipzig über Geschichte und Ästhetik der Musik, 1920 übernahm er von Hermann Abert (1871–1927) den musikwissenschaftlichen Lehrstuhl in Halle, 1928 wurde er wiederum in der Nachfolge Aberts als Ordinarius nach Berlin berufen.

    Bei seiner Lehrtätigkeit war ihm die Verbindung von Wissenschaft und Praxis ein besonderes Anliegen (Leitung der Collegia musica in Leipzig, Halle u. Berlin). 1927 wurde er Vorsitzender der Händelgesellschaft, er leitete außerdem die Kommission „Denkmäler Deutscher Tonkunst“. Als Präsident der „Dt. Musikgesellschaft“ war er maßgeblich an deren Umgestaltung nach nationalsozialistischen Prinzipien beteiligt (seit 1933 „Dt. Ges. f. Musikwiss.“). Die Anstellung junger Nationalsozialisten wurde gefördert; Alfred Einstein (1880–1952) hingegen gezwungen, die Redaktion der „Zeitschrift für Musikwissenschaft“ niederzulegen, die er seit deren erstem Erscheinen 1918 geleitet hatte. Dem „Führerprinzip“ folgend, bestimmte S. 1936 oder 1937 Ludwig Schiedermair (1876–1957) zu seinem Nachfolger als Präsident.

    S.s vielseitiges wissenschaftliches Werk bezieht sich zum einen auf die ältere Musikgeschichte: Arbeiten u. a. über die Zeit Josquins, zu Bach, daneben eine Anzahl von Editionen belegen dies nachdrücklich. Er rekonstruierte und edierte die Weihnachtshistorie von Heinrich Schütz. Über die musikalische Aufführungspraxis focht er mit Theodor Kroyer (1873–1945) eine Kontroverse aus. Zum anderen vertrat er einen spekulativ ausgerichteten Ansatz hinsichtlich des hermeneutischen Verständnisses musikalischer Werke: Insbesondere an diversen Streichquartetten und Klaviersonaten Beethovens versuchte er nachzuweisen, daß sie von Dramen Shakespeares und Schillers inspiriert worden seien. Zu seinen zahlreichen Schülern zählen →Wolfgang Boetticher (* 1914), →Willibald Gurlitt (1889–1963) und →Helmuth Osthoff' (1896–1983), der 1926 in Halle S.s Assistent geworden war.|

    • Auszeichnungen

      Mitgl. d. Gr. Rates d. Reichsmusikkammer; Mitgl. d. Dt. Ak.

    • Werke

      u. a. Bachs Textbehandlung, Ein Btr. z. Verständnis →Johann Sebastian Bach'scher Vokal-Schöpfungen, 1900;  Gesch. d. Instrumental-Konzerts bis auf d. Gegenwart, 1905, Nachdr. 1965;  Die Lehre v. d. musikal. Figuren, in: Kirchenmusikal. Jb. 21, 1908, S. 107-14;  Studien z. Musikgesch., d. Frührenaissance, 1914;  Tabellen z. Musikgesch., 1914, 71992 erg. v. H.-J. Moser, u. d. T Neue Tabellen z. Musikgesch., erw. v. F. Reinisch, 2003;  Dt. Musikgesch. im Umriss, 1917;  Aufführungspraxis alter Musik, 1931, Nachdr. 1985;  Gesch. d. Musik in Beispielen, 1931;  Beethoven in neuer Deutung, 1934;  Franz Schuberts Symphonie in H-moll, 1939;  Das Symbol in d. Musik, 1940;  Vom Wesen d. Musik, hg. v. K. M. Komma, 1974 (ges. Aufss.);  – Ausgaben: Reihen: Ferien alter Gesangsmusik, 5 Hh., 1922-23;  Perlen alter Kammermusik, 22 Hh., 1921-34;  Heinrich Schütz, Historia v. d. Geburt Jesu Christi (Sämtl. Werke 17), 1909.

    • Literatur

      H. Osthoff, W. Serauky u. A. Adrio (Hg.), FS A. S., 1937 (vollst. W-Verz. bis 1937, P); H. Osthoff, in: Archiv f. Musikwiss., VI, 1941, S. 66-69; W. Gurlitt, in: Neues Archiv f. sächs. Gesch. 62, 1941, S. 189-95; P. M. Potter, Most German of the Arts, Musicology and Society from the Weimar Republic tu the End of Hitler's Reich, 1998, dt. u. d. T Die deutscheste d. Künste. Musikwiss. u. Ges. v. d. Weimarer Rep. bis z. Ende d. Dritten Reichs, 2000; B. Meischein, „Der erste musikwiss. Lehrstuhl Dtld.s“, Vorgänge um d. Nachfolge A. S.s 1941-1946, in: Musikwiss., Faschismus, Nationalsozialismus, Referate d. Tagung Schloss Engers 2000, hg. v. Isolde v.von Foerster u. a., 2001, S. 223-40; Rhdb. (P); Das dt. Führerlex. (P); Wi. 1935; Gedenktage d. mitteldt. Raumes, 1966, S. 25, ebd. 1977, S. 67 f., ebd. 1991, S. 69-73; MGG (P); Riemann mit Erg.bd. (WI; New Grove2 (W, L); BBKL (W, L).

  • Autor

    Bernhold Schmid
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmid, Bernhold, "Schering, Karl Dietrich Arnold" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 696-697 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118754688.html
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Schering, Arnold