Name
Kügelgen, Wilhelm von
Namensvarianten
-
Lebensdaten
1802 bis 1867
Geburtsort
Sankt Petersburg
Sterbeort
Ballenstedt Kreis Quedlinburg
Beruf/Lebensstellung
Maler; Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Autor NDB
Adalbert Elschenbroich
Autor ADB
-
GND
118567551

Kügelgen, Wilhelm

Maler, Schriftsteller, * 20.11.1802 Sankt Petersburg, 25.5.1867 Ballenstedt Kreis Quedlinburg. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Gerhard (s. 1); B Gerhard (1806–83), Gutsbes. u. -verwalter in Estland; Vt Constantin (1810–80), Landschaftsmaler (s. ThB); - Bremen 1827 Julie (1804–1909), T d. ev. Theol. Friedrich Krummacher ( 1845, s. NDB 13); 3 S (1 ⚔), 3 T; N Theodor Kraus (1866–1948), Bildnismaler (s. ThB; Dt.balt. Biogr. Lex., 1970), Gerhard Kraus (1871–1910), Bildhauer u. Maler (s. ThB), Sally (1860–1928), Malerin (s. ThB).

  • Leben

    Seine Kindheit verbrachte K. in Dresden. 1817/18 besuchte er das Gymnasium in Bernburg, wohnte im Hause F. A. Krummachers und trat damit in den zweiten Familienkreis ein, der neben dem elterlichen für sein ganzes späteres Leben bestimmend werden sollte. Schon 1818 begann er auf der Dresdener Kunstakademie bei seinem Vater mit dem Studium der Malerei. Dessen Ermordung stürzte ihn in eine tiefe religiöse Krise, deren Folgen er niemals ganz überwand. Nur zögernd nahm er unter F. Hartmann die Ausbildung wieder auf. Die mangelnde Kraft, sich von dem künstlerischen Vorbild des Vaters zu lösen, ließ ihn bald die Grenzen seiner Begabung erkennen. Dazu kam eine zunehmende Farbenblindheit. Eine 1825/26 mit T. Neff unternommene Romreise brachte ihm zwar die Freundschaft mit Ludwig Richter und Karl Peschel, aber keine sich produktiv auswirkenden Kunsteindrücke. Nach seiner Verheiratung versuchte er, während eines längeren Aufenthaltes bei estländ. Verwandten, in St. Petersburg am Zarenhof festen Fuß zu fassen, bekam jedoch nur den Auftrag, das von Nikolaus I. für die Olaikirche in Reval gestiftete Altarbild zu malen, das er dann auf Schloß Hermsdorf ausführte, wo er mit seiner Familie als Gast seines Freundes E. v.von Heynitz drei Jahre lang wohnte. 1833 erhielt er die Berufung zum Hofmaler in dem anhaltin. Residenzstädtchen Ballenstedt. Von wenigen Auftrags- und Besuchsreisen abgesehen, hat er sein ganzes weiteres Leben dort verbracht. 1853 wurde er zum Kammerherrn ernannt; von da an war seine Hauptaufgabe die Betreuung des geisteskranken Hzg. Alexander Carl von Anhalt-Bernburg auf Schloß Hoym. Als Porträtmaler schuf K. Bildnisse des Herzogs und der Hzgn. Friederike, Krummachers, L. Richters, vor allem der eigenen Familie. Besser als Ölgemälde gelangen ihm Zeichnungen und Skizzen. Seine religiösen Bilder, nazarenisch in Gesinnung und Darstellungsweise, wirken wie erstarrte Kopien.

    Erst in der Abwendung von der Malerei ist K. während seines letzten Lebensjahrzehnts|zum Schriftsteller geworden. Sein Erzähltalent, das bis dahin nur in privater Korrespondenz sich hatte entfalten können, führte ihn seit etwa 1855 mit objektivierendem literarischem Anspruch zur Autobiographie. Bewußt beschränkte er sich auf die Kindheits- und Jugendgeschichte. Mosaikartig setzte er sie aus in sich abgeschlossenen idyllischen und anekdotischen Miniaturen vor dem Hintergrund der weltgeschichtlichen Ereignisse des napoleonischen Zeitalters zusammen und verband sie untereinander durch den einheitlichen wehmütig-heiteren Grundton der Rückschau. Was ihm als bildendem Künstler fehlte, war ihm im Umgang mit der Sprache gegeben: einfache Natürlichkeit, lebendige Darstellung, Freude am Detail, Beziehungsreichtum, Charakterisierungskunst, Humor, Vergegenwärtigung des Atmosphärischen. Als die „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“ 1870 aus dem Nachlaß (hrsg. v. Ph. v. Nathusius) erschienen, wurden sie alsbald ein Lieblingsbuch des Bildungsbürgertums im Kaiserreich und blieben dies bis in die 20er Jahre (230. Aufl. 1922). Durch Veröffentlichung der Briefe an den Bruder Gerhard (1840–67) und Zusammenstellungen aus der Korrespondenz des Familienkreises (1820–40) konnten sie zu einem „Kügelgen-Werk“ erweitert werden. Nicht nur als kulturhistorisches Dokument, sondern auch als Prosakunstwerk dürfen die „Jugenderinnerungen“ bleibende Bedeutung in Anspruch nehmen.

    • Werke

      Drei Vorlesungen üb. Kunst, 1842, 21902;  Von d. Widersprüchen in d. hl. Schrift f. Zweifler, 1850;  Der Dankwart, Ein Märchen, 1924;  Erinnerungen 1802 bis 1867, I (1802–20), hrsg. v. Jon. Werner, 1924 (P), II (1820–40), hrsg. v. dems., 1925 (P), III (1840–67), hrsg. v. P. S. v. Kügelgen u. Joh. Werner, 1923 (P);  Erinnerungen, Zum 100. Todestag d. Vf. neu hrsg. v. E. u. B. v. Kügelgen, 1967.

    • Literatur

      ADB 17;  W. Schüßler, in: Mitteldt. Lb. IV, 1929, S. 253-67 (P);  H. M. v. Kügelgen, Ein Lb. in Briefen, hrsg. v. A. u. E. v. Kügelgen, 1900, 111950;  Leo v. Kügelgen, G. v. K., Ein Malerleben um 1800 u. d. anderen sieben Künstler d. Fam., 31924;  F. Ernst, Essays II, 1946, S. 265-91 (geschr. 1927);  H. Leuthe, Stud. z. d. Autobiogr. L. E. Grimms, W. v. K.s, L. Richters u. F. Wasmanns, Diss. Freiburg i. Br. 1953 (ungedr.)ThB. P Gem. v. C. Bardua, Knabenbildnis mit d. Geschwistern, Abb. in: Erinnerungen III, s. W;  Selbstbildnis, Bleistiftzeichnung, 1822, Abb. ebd. II;  Gem. v. T. Neff, 1824/25, Abb. ebd. II u. III;  Selbstbildnis Rom 1826, Gem., Abb. ebd.;  Zeichnung v. L. Richter, 1826 (Dresden, Kupf.kab.), Abb. ebd.Phot., Altersporträt, Abb. ebd. III.

  • Autor

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Kügelgen, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 185-186 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118567551.html
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Kügelgen, Wilhelm von