Name
Klemperer, Viktor
Namensvarianten
-
Lebensdaten
1881 bis 1960
Geburtsort
Landsberg/Warthe
Sterbeort
Dresden
Beruf/Lebensstellung
Romanist
Konfession
jüdischer Bruder
Autor NDB
W. Theodor Elwert
Autor ADB
-
GND
11856319X

Klemperer, Viktor

Romanist, * 9.10.1881 Landsberg/Warthe, 11.2.1960 Dresden.

  • Genealogie

    B Georg (s. 1); - 1) 1906 Eva Schlemmer ( 1951), Pianistin, 2) 1952 Hadwig (* 1926), Dr. phil., T d. Studienrats Adolf Kirchner u. d. Dr. Annemarie Klippel.

  • Leben

    K. besuchte das Berliner Französische Gymnasium und studierte dann germanische und romanische Philologie sowie Philosophie in Berlin, München, Genf und Paris. Er lebte 1904-12 als freier Schriftsteller und Publizist in Berlin, setzte sich für das moderne Schrifttum ein, promovierte 1913 mit einer germanistischen Arbeit über „Die Zeitromane F. Spielhagens und ihre Wurzeln“ und war 1914 deutscher Lektor in Neapel. K. habilitierte sich 1914 mit einer Arbeit über Montesquieu für romanische Philologie bei K. Vossler, für den er zusammen mit E. Lerch 1921 eine Festschrift herausgab. 1914-20 war er Dozent, dann außerplanmäßiger Professor in München, seit 1920 ordentlicher Professor an der TH Dresden; 1933 aus politischen Gründen amtsenthoben, blieb K. in Deutschland; er wurde zeitweilig in ein Arbeitslager eingewiesen und arbeitete schließlich als Packer in einer Teefabrik. 1945 wurde er wieder in sein Amt in Dresden eingesetzt; er übernahm dort auch die wissenschaftliche Leitung der Volkshochschule. 1948 wurde er auf ein Ordinariat in Greifswald berufen, 1949 dann an die Universität Halle. Seit 1951 lehrte er gleichzeitig auch an der Humboldt-Universität Berlin. K. war Mitglied der SED und Abgeordneter der Volkskammer.

    In seiner Literaturbetrachtung sah K. die literarische Entwicklung stets im Zusammenhang mit der Politik und den gesellschaftlichen Verhältnissen. In seinem zweibändigen Werk „Montesquieu“ (1914 f.) suchte er neben dem Staatsdenker auch den Dichter sichtbar zu machen. Mehrere Auflagen erlebten seine durch philologische Gründlichkeit ausgezeichnete „Einführung in das Mittelfranzösische“ (1921), die Anthologie „Moderne französische Prosa“ (1928) und seine „Moderne französische Lyrik“ (1928, 21957). Gründliche Sachkenntnis und ausgewogenes Urteil kennzeichnen seine literarhistorische Gesamtdarstellung „Geschichte der italienischen Literatur vom Humanismus bis zum 18. Jahrhundert.“ (in: Walzels Handbuch d. Literaturwissenschaft, 1925) und seine Hauptwerke „Geschichte der französischen Literatur von Napoleon bis zur Gegenwart (5 Bände, 1925–31, neuhrsg. unter dem Titel Geschichte der französischen Literatur im 19. u. 20. Jahrhundert, 1956) sowie „Geschichte der französischen Literatur des 18. Jahrhunderts“ (2 Bände, 1954/66). K. beschäftigte als beständiges Anliegen das Verhältnis zwischen Sprache und Kultur. In seiner Dresdner Antrittsvorlesung von 1920 sagte er: „… es besteht eine Wechselwirkung: erhellt sich die Eigenart einer Sprache aus der Kultur des Volkes, so wird die besondere Eigenart dieses Volkes aus seiner Sprache heraus bestätigt“. Aus diesem Gesichtspunkt analysierte er auch die deutsche Sprache zur Zeit des Dritten Reiches in dem Werk „LTI, Lingua Tertii Imperii“, 1947 (21966 unter dem Titel Die unbewältigte Sprache, Aus dem Notizbuch eines Philologen, über die Sprache des „Dritten Reiches“). Taucht das Problem der Völkerpsychologie in einem seiner frühen Aufsätze auf (Zum Verhältnis von Sprachwissenschaft und Völkerpsychologie, in dem Aufsatzsammelband „Romanische Sonderart“, 1926; darin auch: „Idealistische Literaturgeschichte“ und „Jeanne d'Arc als dichterische Gestalt“), so bestimmt dieses Problem auch seinen letzten, postum erschienenen Aufsatz „Das neue deutsche Frankreichbild, 1914–33, Ein historischer Überblick“ in der von ihm zusammen mit W. Krauss und R. Schober gegründeten Zeitschrift „Beiträge zur romanischen Philologie“ (1, 1961, 2, 1963). K. tat hier einen Rückblick in eine vergangene Welt, der er selbst stets verhaftet blieb.|

    • Auszeichnungen

      Dr. paed. E. h. (TH Dresden 1951), Nat.preis d. DDR (1952), o. Mitgl. d. Dt. Ak. d. Wiss. Berlin (1954), Ehrensenator d. Univ. Halle (1956), F.-C.-Weiskopf-Preis (postum).

    • Werke

      Weitere W u. a. Die franz. Lit. an dt. Schulen, 1925;  Corneille, 1933;  nach 1045 Einleitungen zu Volksausgg. v. Molière, Maupassant, Diderot, Rabelais u. Barbusse, sowie Stud. üb. Rousseau, Stendhal, Barbusse, Vossler, z. T. in: Vor 1933/nach 1945, Ges. Aufsätze, 1956.

    • Literatur

      E. Lerch, in: Romanist. Jb. 4, 1951 (1952) (W, L)Festschr. f. V. K. zu s. 75. Geb.tag, hrsg. v. H. Heintze u. F. Silzer, 1958 (P);  V. K. zum Gedenken, zus.gestellt v. F. Zschech, 1961;  H. Heintze, in: Btrr. z. roman. Philol. 1, 1961, S. 8-16;  ders., in: Wiss. Zs. d. Univ. Halle 10, 1961, S. 9-13.

  • Autor

    W. Theodor Elwert
  • Empfohlene Zitierweise

    Elwert, W. Theodor, "Klemperer, Viktor" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 35 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn11856319X.html
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Klemperer, Viktor

NDB Genealogie:
NDB Leben:

Klemperer, Viktor

Quelle/Vorlage:

Klemperer, Viktor