Name
Blechen, Karl
Namensvarianten
Blechen, Karl Eduard Ferdinand
Lebensdaten
1798 bis 1840
Geburtsort
Cottbus (Niederlausitz)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Lebensstellung
Maler
Konfession
keine Angabe
Autor NDB
Paul Ortwin Rave
Autor ADB
Dohme.
GND
118511645

Blechen, Karl Eduard Ferdinand

Maler, * 26.7.1798 Cottbus (Niederlausitz), 23.7.1840 Berlin.

  • Genealogie

    V Adrian ( 1821), preußischer Steuerbeamter, aus Regensburg nach Cottbus zugewandert, doch gebürtig vom Niederrhein, in Duisburg („Blech“); M Christiania Happatz, wendischer Herkunft; Berlin 1824 Dorothea, T des Mobilienhändlers Johann Friedrich Boldt.

  • Leben

    Schon in seiner Cottbuser Knabenzeit war Zeichnen B.s liebste Beschäftigung, so gab er mit 24 Jahren seinen Beruf im Bankfach auf, besuchte 1822 die Berliner Akademie, 1823 deren Landschaftsklasse (P. L. Lütke) und unternahm eine mehrmonatige Reise nach Dresden, an den Hauptort der romantischen Landschaftsmalerei, wo C. D. Friedrich und seine Schule wirkten. Durch Schinkels Vermittlung erhielt er die Stellung eines Bühnenmalers an dem neuen Königstädtischen Theater und schuf von August 1824 bis Juni 1827 eine große Anzahl wirkungsvoller Bühnenbilder. Auf den allzweijährlichen Herbstausstellungen der Akademie zeigte er seit 1824 stets Gemälde, die von der zeitgenössischen Kritik stark beachtet wurden. Auch wählte man ihn 1826 in den Berlinischen Künstlerverein, in dem die Mitglieder sich selbst Aufgaben stellten. Im Sommer 1828 verweilte er einige Wochen an der Ostsee.

    Den großen Wendepunkt seines Lebens bildete die italienische Reise, deren einzelne Wegstrecken und Aufenthalte wichtig wurden für seine künstlerische Entwicklung. Ende Oktober 1828 von Berlin aufgebrochen, kam er noch Ende November in Rom an und blieb hier bis zum Mai 1829, um im hellen Frühling zwei Monate in der Umgebung Neapels umherzustreifen, kehrte im heißen Sommer nach Rom zurück und weiter dann im glühenden Herbst langsam durch Mittelitalien bis nach Berlin. Vorbereitet und geschult durch die sandige Ärmlichkeit des heimischen Bodens in der Mark, erlebte das Auge des Malers schon in und bei Rom und in der Campagna die im klarsten Lichte sich darbietende wahre und reine Natürlichkeit des Landschaftlichen - ein Grunderlebnis, das sich im weiteren Verlauf der Reise offensichtlich noch gesteigert hat -, oft betroffen vom Krassen und Grellen der Licht- und Farbenerscheinungen. Das Erleben wurde aber stets wieder gebändigt und geformt in einem unbeschreiblichen Zauber seiner Gestaltungen, sei es in Sepia oder Tusche, in Wasser-, Deck- oder Ölfarbskizzen.

    In den folgenden Jahren verschmolzen gewissermaßen Elemente romantischer Bildschau in ganz einzigartiger Weise mit einem neuen Gefühl für Sachlichkeit und Dinglichkeit. Daneben fand auch die heimische Landschaft Berücksichtigung, um so mehr, als B. 1831 als Nachfolger Lütkes der Lehrer der Landschaftsklasse an der Akademie wurde und mit seinen Schülern häufig Motive in der Mark aufsuchte. Kurze Jahre der vollsten Entfaltung seiner Kunst waren ihm vergönnt, und als ein äußerliches Zeichen seiner Anerkennung wurde er 1835 als Mitglied der Akademie erwählt. Der Keim zu seiner tödlichen Krankheit scheint während einer Reise nach Paris gelegt zu sein. Erste Anzeichen zeigten sich 1836. Seit 1837 nahm die Krankheit die Form schwerer Depression mit geistiger Trübung an. Eine Heilung, trotz tätigen Eingreifens der Bettina von Arnim, war nicht möglich. Aus der völligen Untätigkeit der letzten Lebenszeit erlöste ihn der Tod im Alter von 42 Jahren.

    Die Schätzung B.s als eines vortrefflichen Künstlers, „unvergleichlichen Skizzierers“ (G. Schadow) und selbständig genialen Malers nimmt in heutiger Zeit eher zu als ab. Der künstlerische Nachlaß gelangte in der Hauptsache in den Besitz der National-Galerie und zu kleinerem Teil der Akademie der Künste in Berlin, hat sich 1945 dort aber nur sehr teilweise erhalten. Vieles war früh schon bei Privatsammlern, später auch öffentlichen Sammlungen Deutschlands aufgehoben.

    • Literatur

        ADB II;  National-Galerie (Verf. P. O. Rave). K. B., Leben, Würdigung, Werk, 1940 (W-Verz. mit ca. 2200 Nummern, etwa 800 Abb.)ThB (L).

    • Portraits

      Selbstbildnis (Gem.), um 1830 (Berlin, Ak. d. Künste, 1945 verschollen), Abb. b. Rave (s. L); Zeichnung v. E. George, 1832 (ebenda).

  • Autor

    Paul Ortwin Rave
  • Empfohlene Zitierweise

    Rave, Paul Ortwin, "Blechen, Karl Eduard Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 295 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118511645.html

Blechen, Karl Eduard Ferdinand

  • Leben

    Blechen: Karl Eduard Ferdinand B., Landschaftsmaler, geb. 29. Juli 1798 zu Kottbus. 1812 kam er nach Berlin und als Lehrling in ein Bankgeschäft; erst zehn Jahre später wählte er die Kunst, mit der er sich aus Neigung schon lange beschäftigt, zu seinem Lebensberuf. Er besuchte nunmehr die Akademie, bildete sich aber hauptsächlich als sein eigener Lehrer nach der Natur und nach guten Vorbildern. Zunächst fand er eine Stellung als Decorationsmaler an dem neuen Königstädtischen Theater in Berlin. Im J. 1827 ging er dann nach Italien, welche Reise einen Wendepunkt in seinem Bildungsgang herbeiführte; während derselben bildete sich sein späterer Stil, unter dem er hauptsächlich bekannt, aus. Seine früheren Bilder zeigen bei einem gewissen Anschluß an die Holländer eine ernste, etwas trübe Auffassung der nordischen Natur, vorgetragen in dunklen Farbentönen. Seit der italienischen Reise malte er vornehmlich Landschaften jenes Landes, und seine Zeichnung wird außerordentlich scharf und klar; er ist darin als ein Vorläufer K. Graeb's anzusehen. — B. ist Idealist in der Landschaftsmalerei. Alle seine Gemälde haben etwas Eigenthümliches, Hochpoetisches in Auffassung, Beleuchtung und Färbung. Er besitzt die Gabe, besondere meist elegische und rührende Wirkungen in der Naturscenerie zu entdecken; seine Werke, die nichts vom akademischen Herkommen an sich haben, fesseln daher ungemein. Nicht das Freundliche der Natur oder das formal Schöne reizt ihn, sondern die Einsamkeit, das Trübe und Verlassene, dem auch oft die Staffage entspricht; aber fast immer sind seine Bilder außerordentlich naturwahr in ihrer Besonderheit. Dabei hat er eine eminent malerische Begabung. Das Bild gestaltete sich ihm fertig im Kopfe, und die erste Anlage trug daher schon ihren jedesmaligen besonderen Charakter. Dies gibt namentlich seinen Skizzen einen außergewöhnlichen Reiz. — Zu seinen frühesten Arbeiten gehört das "Semnonenlager in der Gegend des Müggelsee's bei Berlin", ein Werk, in dem sich ein bedeutendes Talent, aber auch ein Hang zum Seltsamen, Außergewöhnlichen verräth, der in der späteren Zeit doch nur noch hie und da so schroff durchbricht; so etwa in der "Villa Este bei Tivoli" im Stadtschloß zu Potsdam. Anderes wie seine "Landschaft bei Narni in der Abenddämmerung" oder die "badenden Nymphen" zeigt ihn auf der ganzen Höhe seines reichen Talentes; ebenso ein kleines, sehr feines Bildchen "Villa Borghese vom Monte Pincio aus gesehen" (alle drei im Besitze des Herrn Banquier Brose in Berlin). 1831 wurde er zum Lehrer an der Landschaftsclasse der Berliner Akademie berufen und 1835 zum ordentlichen Mitgliede dieses Institutes ernannt. Er starb am 23. Juli 1840, nachdem eine Gemüthskrankheit schon längere Zeit seine Thätigkeit unterbrochen hatte. Man findet seine Arbeiten nur selten in öffentlichen Sammlungen. Unter den|Privatgalerien sind besonders reich an seinen Werken die der Herren Brose und v. Decker in Berlin. Die königlichen Schlösser besitzen außer dem genannten Bilde das "Innere des Palmenhauses bei Potsdam" und eine Reihe kleinerer Arbeiten, namentlich Skizzen der italienischen Reise. Das k. Kupferstichcabinet bewahrt in acht Mappen seinen Nachlaß an Oel-, Tusch- und Bleistiftskizzen, sowie an Entwürfen zu Theaterdecorationen.

    • Literatur

      Raczynski übers. von v. d. Hagen: Neuere deutsche Kunst. Bd. III. — Katalog d. Kunstausst. d. Berliner Akademie 1840.

  • Autor

    Dohme.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dohme, Robert, "Blechen, Karl Eduard Ferdinand" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 700-701 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118511645.html?anchor=adb

Blechen, Karl