Name
Mumm, Alfons Freiherr von
Namensvarianten
Mumm von Schwarzenstein, Alfons Freiherr von
Lebensdaten
1859 bis 1924
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Portofino (Ligurien)
Beruf/Lebensstellung
Diplomat
Konfession
reformierte Familie
Autor NDB
Franz Lerner
Autor ADB
-
GND
117181331

Mumm, Alfons Freiherr M. von Schwarzenstein (preußischer persönlicher Freiherr 1903)

Diplomat, * 19.3.1859 Frankfurt/Main, 10.7.1924 Portofino (Ligurien).

  • Genealogie

    V Hermann v. M. (1816-87), GR, Leiter d. Champagnerhauses G. H. Mumm & Co. in Reims, dän. Gen.konsul, S d. Gottlieb M. (1781-1852), Leiter d. Handelshauses in F., gründete 1822 d. Weingut in Johannisberg u. 1827 d. Champagner-Haus P. A. Mumm, Gießler & Co. in Reims, dän. Gen.konsul, u. d. Elisabeth v. Scheibler (1786–1864); M Eugenie (1822–88), T d. Gottfried August Lutteroth (1781–1839), Handelsmann in F., u. d. Marianne Gontard (1798–1871); Gr-Tante-m Clotilde Koch-Gontard (1813–69), beide führten Salons in F. (beide s. Frankfurter Biogr.); Ur-Gvv Peter Arnold (s. Gen. 1); – Dresden 1918 Jeannie Mackay-Watt (* 1866) aus Glasgow.

  • Leben

    M. besuchte das Gymnasium Francofurtanum und bezog 1879 die Univ. Göttingen zum Studium der Jurisprudenz. Von dort wechselte er nach Leipzig, dann nach Heidelberg und schließlich nach Berlin. Dort legte er die Referendarprüfung ab und promovierte 1882 in Göttingen zum Dr. iur. Nach der Referendarzeit am Kammergericht in Berlin wurde er 1885 in den diplomatischen Dienst übernommen, war zunächst als Attaché den Botschaften in London und Paris zugewiesen, seit 1888 Legationssekretär in Washington, 1892 in Bukarest und 1893 beim Vatikan. 1894 wurde er Legationsrat im Auswärtigen Amt und Referent in Orientangelegenheiten, 1897 Geh. Legationsrat, 1898 Ministerresident in Luxemburg. 1899 war er für kurze Zeit als Geschäftsträger erneut in Washington. Nach der Ermordung des Gesandten Klemens v. Ketteler beim Boxeraufstand (1900) wurde M. dessen Nachfolger in Peking und organisierte den Bittbesuch des kaiserlichen „Sühneprinzen“ Chun bei Wilhelm II. in Berlin. M.s 1903 veröffentlichtes Tagebuch ist mit seinem reichhaltigen Bildmaterial eine hervorragende Quelle für die ersten Jahren seiner Pekinger Botschafterzeit. Die politische Linie des als sinophil geltenden M. war durch Rücksichtnahme auf das wachsende chines. Nationalbewußtsein und Zurückhaltung bei der Geltendmachung deutscher Wirtschaftsinteressen bestimmt. Seit 1906 Botschafter in Tokio, sprach er sich gegen Pläne einer Allianz des Deutschen Reiches mit Japan als Gegengewicht gegen die franz.-brit.-russ. Entente aus, verwies auf die japan. Anerkennung des deutsch-brit. Abkommens von 1900 über die Unabhängigkeit und territoriale Integrität Chinas sowie die Politik der offenen Tür, die ein solches Abkommen überflüssig mache, und riet generell zur Vorsicht|angesichts der Gefahr einer Isolierung des Reiches. Sorgfältig beobachtete er die japan. Politik und besonders das Verhältnis Japans zu den USA, wobei er eine militärische Auseinandersetzung der beiden Mächte um die Vorherrschaft im pazifischen Raum langfristig für unvermeidbar, jedoch jede offene Parteinahme des Deutschen Reiches für verfehlt hielt.

    1911 schied M. wegen eines Augenleidens aus dem diplomatischen Dienst aus und zog sich auf seinen Besitz in Castello Giorgio bei Portofino zurück. Beim Kriegsausbruch 1914 stellte er sich erneut dem Auswärtigen Amt zur Verfügung und übernahm in der Nachrichtenabteilung die Betreuung der ausländischen Presse. 1918 war er in Kiew Leiter der deutschen Delegation, die über Getreidelieferungen der Ukraine verhandelte, und dann Geschäftsträger bei der Volksrepublik Ukraine.|

    • Auszeichnungen

      WGR; Roter Adlerorden I. Kl.; Kronen-Orden.

    • Werke

      Meinen Mitarbeitern (Tagebuch v. M.s Botschafterzeit in Peking mit 620 Abb.), 1903; Kriegslyrik 1914-18 (mehrere Bändchen, Privatdr.).

    • Literatur

      O. Franke, Die Großmächte in Ostasien von 1894-1914, Ein Btr. z. Vorgesch. d. Krieges, 1923; V. Valentin, in: Frankfurter Ztg. v. 17.7.1924; Die auswärtige Pol. d. Dt. Reiches 1871-1914, hrsg. v. Inst. f. Auswärtige Pol. Hamburg, Bd. 4/2, 1928; B. Ruland, Dt. Botschaft Peking, Das Jh. dt.-chines. Schicksals, 1973; C.-H. Bütow, in: H. Schwalbe u. H. Seemann (Hrsg.), Dt. Botschafter in Japan 1860-1973, 1974, S. 69-75 (P); W. Stingl, Der ferne Osten in d. dt. Pol. vor d. 1. Weltkrieg (1902–1914), II, 1978; Wi. 1922; Kosch, Biogr. Staatshdb.

  • Autor

    Franz Lerner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lerner, Franz, "Mumm, Alfons Freiherr Mumm von Schwarzenstein" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 581 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn117181331.html
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Mumm, Alfons Freiherr von

Mumm, Alfons Freiherr von

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