Name
Olde, Hans
Namensvarianten
Olde, Johannes Wilhelm (bis 1880)
Lebensdaten
1855 bis 1917
Geburtsort
Süderau (Holstein)
Sterbeort
Kassel
Beruf/Lebensstellung
Maler
Konfession
evangelisch
Autor NDB
Uta Kuhl
Autor ADB
-
GND
117115304

Olde, Hans (bis 1880 Johannes Wilhelm)

Maler, * 27.4.1855 Süderau (Holstein), 25.10.1917 Kassel. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Joachim Wilhelm (1822–1904), Landwirt in S., später auf Gut Seekamp b. Kiel, S d. Joachim Wilhelm (1794–1839) u. d. Marie Wilhelmine Scharmer (1794–1833) in S.; M Auguste (1830–1914), T d. Landwirts Johann Hinrich Wriedt u. d. Carolina Katharina Margaretha Dreyer; Bremen 1889 Margarethe (1865/66-1928), T d. Otto Georg Friedrich Schellhass (* 1837), Zigarettenfabr. in Bremen, u. d. Margarethe Lucie Focke (* 1843); 3 S, u. a. Hans (1895–1987), Maler in Gauting (Oberbayern) (s. Vollmer, Nachträge; L), 1 T.

  • Leben

    Nach dem Abitur 1876 zunächst als Landwirt ausgebildet, begann O. 1879 gegen den Widerstand des Vaters in München ein Kunststudium bei Ludwig Löfftz. Mit dem Bildhauer Adolf Brütt (1855–1939), einem Schulfreund, wanderte er 1883 nach Italien. Dem Besuch der Académie Julian in Paris 1886 folgte die Teilnahme am Pariser Salon. O., „Naturalist mit Leib und Seele“ (an Brütt 1885), entdeckte Millet, später die Impressionisten. Engagiert im „Kampf um die neue Kunst“, nahm er 1888 an Gurlitts Berliner Ausstellung der Freilichtmaler „neuer Schule“ teil, 1889 an der Pariser Weltausstellung; 1892 war er Gründungsmitglied der Münchner Sezession. 1894 folgte, u. a. mit Behrens, Corinth, Eckmann, Slevogt und Trübner, die Gründung der „Freien Vereinigung“, ferner die der schleswig-holstein. Künstlergenossenschaft, für die O. jurierte und Ausstellungen organisierte. 1898 war O. Gründungsmitglied der Berliner Sezession, 1902 wurde er zum Professor und Direktor an die Kunstschule in Weimar berufen, wo er sich mit Henry van de Velde und Harry Gf. Kessler um das „neue Weimar“ verdient machte. Als Lehrer ließ O. seinen Schülern größtmögliche künstlerische Freiheit. Seine Reform der Kunstschule (u. a. die Zulassung von Frauen zum Studium) mit dem Ziel praxisnaher Ausbildung wurde zu einer der Wurzeln des Bauhauses. 1903 war O. Gründungsmitglied des Deutschen Künstlerbundes. 1911 wurde er als Direktor und Professor der Kgl. Kunstakademie nach Kassel berufen, die er ebenfalls neu organisierte.

    Künstlerisch wichtig war O.s zweite Parisreise 1891 und die Begegnung mit Monet. Seine Malweise wurde atmosphärisch locker und pastos. Danach begann auf Seekamp seine schöpferischste Zeit. Neben Landschaften, wie „Wintersonne“ (1892), entstanden Bilder der Landarbeit, wie „Schnitter“ (1893), die impressionistisch in ihrer Lichtfülle, ihrem Inhalt nach – in der unsentimentalen Beschränkung auf das Sichtbare – realistisch sind. Zusätzliche Inspiration brachten Reisen nach London (1895), Frankreich, Spanien und Italien (1897), Holland und Belgien (1899). Neben den Landschaften verschiedenster Stimmungen, Tages- und Jahreszeiten in breiter Ausdrucksskala (vor allem Privatbes.), die später in ihrer Farbigkeit und dem gestisch-freien Duktus zum Expressionismus tendieren, entstanden die bekannten Tierbilder (u. a. „Mann mit Stier“, 1896, Dresden, Gem.gal.). Besondere Berühmtheit erlangten O.s Porträts, darunter vor allem die Bildnisse der befreundeten Dichter →Klaus Groth (u. a. Bremen, Kunsthalle, 1897) und Detlev v. Liliencron (Kiel, Kunsthalle) sowie die Friedrich Nietzsches. Weite Verbreitung fanden druckgraphische Portraits, u. a. für die Zeitschrift „Pan“ (Nietzsche, 1899).

    • Werke

      Weitere W Familienbild, 1886 (Schleswig, Schleswig-Holstein. Landesmus. = SHLM); Kühe, 1888; |Abendstimmung in Tölz, 1889; Rotes Haus im Schnee, 1893; Gewitter, um 1910 (alle Kiel, Kunsthalle); Die Diele d. Herrenhauses in Waltershof, 1894 (Hamburg, Kunsthalle); Sommertag, 1896, (Halle, Staatl. Gal. Moritzburg), - Portraits: Dame im Reitkleid (Anna Olde), 1891 (SHLM); Elise Averdieck, 1894 (Hamburg, Kunsthalle); Klaus Groth, 1897-99 (Oldenburg, Gem.gal., Hamburg, Kunsthalle, SHLM); Friedrich Nietzsche, versch. Fassungen, alle 1899 (u. a. Halle, Staatl. Gal. Moritzburg, SHLM, Weimar, Nat. Forschungs- u. Gedenkstätten); Elisabeth Förster-Nietzsche, 1906 (ebd.); Alter Herr im Schnee (Bildnis d. Vaters), 1901 (Kiel, Kunsthalle); Caroline Ghzgn. v. Sachsen-Weimar, 1903 (u. ö.) (u. a. Weimar, Schloßmus.); Adelheid v. Schorn, 1906 (Kassel, Neue Gal.); Gustav Falke, 1906 (Hamburg, Mus. f. Hamburg. Gesch., SHLM); Ernst II. Hzg. v. Sachsen-Altenburg, 1908; Wilhelm Ernst Ghzg. v. Sachsen-Weimar, 1908 (u. ö.) (beide Univ. Jena); Kaiser Wilhelm II., 1915 (Hamburg, Mus. f. Hamburg. Gesch.). – Schriftl. Nachlaß: Schleswig, SHLM (z. T. publ. in: G. Bremer, H. O., 1991, s. L).

    • Literatur

      L. Martius, Die schleswig-holstein. Malerei im 19. Jh., 1956, S. 372 ff.; H. Gantner, H. O. 1875-1917, Leben u. Werk, Diss. Tübingen 1970; Ausst.kat. Kunsthalle Kiel, 1973; Vom Realismus zum Expressionismus, Ausst.kat. Kunsthalle Kiel, 1984; G. Bremer (Bearb.), H. O. u. d. Freilichtmalerei in Norddtld., Ausst.- u. Bestandskat. SHLM 1991; DBJ II, 1928, S. 117-19; ThB; B. H. Feddersen, Schleswig-Holstein. Künstlerlex., 1984; G. Bremer, Schleswig-Holstein. Künstlerlex. d. 20. Jh., II, 1997. – Zu S Hans: SZ v. 28.8. u. 3.9.1987; R. Zimmermann, Expressiver Realismus, Ausst.kat. München 1995; H. O. 1895-1987, Eine Werkschau z. 100. Geb.tag., Ausst.kat. Kiel u. a. 1995/96.

    • Portraits

      Selbstbildnis, 1882 (Schleswig, SHLM); Marmorbüste v. A. Brütt, 1915 (ebd.).

  • Autor

    Uta Kuhl
  • Empfohlene Zitierweise

    Kuhl, Uta, "Olde, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 503 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn117115304.html
ndb null

Olde, Hans

Olde, Hans