Name
Schnee, Heinrich
Namensvarianten
Schnee, Albert Hermann Heinrich
Lebensdaten
1871 bis 1949
Geburtsort
Neuhaldensleben
Sterbeort
Berlin
Beruf/Lebensstellung
Kolonialbeamter
Konfession
evangelisch
Autor NDB
Ralph Erbar
Autor ADB
-
GND
116819138

Schnee, Albert Hermann Heinrich

Kolonialbeamter, * 4.2.1871 Neuhaldensleben, (Verkehrsunfall) 23.6.1949 Berlin, Berlin, Friedhof Heerstraße. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Hermann (1829–1901), Landger.rat, zuletzt in Nordhausen; M Emilie Scheibe (* 1840); Ur-Gvv Gotthilf (1761–1830), Pfarrer in Heinrichsberg b. Burg (Bez. Magdeburg), Volkswirt, Dichter, Landwirt (s. ADB 32; Killy; Biogr. Hdb. Pflanzenbau|Magdeburger Biogr. Lex.); – New York 1901 Ada (Adeline) Woodhill (1873–1969), aus Neuseeland (s. W); 1 S.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Gymnasium in Nordhausen 1889 studierte S. Rechts- und Staatswissenschaften in Heidelberg (dort aktiv im Corps Rhenania), Kiel und Berlin (1892 Referendarexamen, 1893 Dr. iur.), anschließend Suaheli und Kolonialwissenschaften am Oriental. Seminar in Berlin. 1897 trat er als Regierungsassessor in die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes ein. 1898-1900 arbeitete S. als Richter und stellv. Gouverneur in Dt.-Neuguinea, 1900-1903 als Bezirksamtmann und stellv. Gouverneur in Samoa. 1904 kehrte er als Legationsrat in die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes zurück, wo er nach einer Zwischenstation 1905 als Kolonialbeirat der Botschaft in London verschiedene Stationen durchlief (1906 Wirkl. Legationsrat u. Vortragender Rat, 1907 Min.dirigent, 1909 Geh. Oberreg.rat, 1911 Min.dir. u. Leiter d. Pol. u. d. Verw.abt. im Reichskolonialamt, 1912 WGR mit d. Prädikat Excellenz).

    1912-19 war S. Gouverneur der Kolonie Dt.-Ostafrika. Dort setzte er die Politik seines Vorgängers Albrecht v. Rechenberg (1861–1936) fort und versuchte, die Mißstände bei der Rekrutierung von Arbeitern zu beheben und gleichzeitig den Arbeitskräftebedarf der europ. Betriebe zu befriedigen, letztlich jedoch ohne Erfolg. Im 1. Weltkrieg konnte S. in (nicht immer reibungsloser) Zusammenarbeit mit Paul v. Lettow-Vorbeck (1870–1964) Dt.-Ostafrika bis zum Ende des Krieges militärisch halten.

    Nach dem Verlust der Kolonien setzte sich S., unterstützt von seiner Frau Ada, in zahlreichen Funktionen, Vorträgen, Publikationen, v. a. im Dt. Koloniallexikon und in seiner Studie „Die koloniale Schuldlüge“ (1924, 121940, engl. u. d. T. German Colonization Past and Future, The Truth About the German Colonies, 1926, Nachdr. 1970, franz., span. u. ital. Überss.), einem Standardwerk des dt. Kolonialrevisionismus, sowie in Schulbüchern für eine positive Sicht der dt. Kolonialgeschichte und für die Rückgewinnung der Kolonien ein. 1925 wurde auf seine Initiative eine „Interfraktionelle Koloniale Vereinigung“ gegründet. Der Versuch, seine Vorstellungen nach 1933 auch in der NSDAP durchzusetzen und die Gleichschaltung der Dt. Kolonialgesellschaft zu verhindern, scheiterte jedoch: 1936 wurden alle Kolonialangelegenheiten dem NS- Reichskolonialbund unterstellt. S. legte fast alle Präsidenten-Ämter nieder.

    1924-32 (DVP) und 1933-45 (NSDAP) saß S. im Reichstag. Er war Präsident des Arbeitsausschusses Dt. Verbände (1925–38), eines Zusammenschlusses von rund 2000 konservativen Organisationen, des Bundes der Auslandsdeutschen (1926–33), der Dt. Kolonialgesellschaft (1930–36), der Dt. Weltwirtschaftlichen Gesellschaft (seit 1931) und der Dt. Gesellschaft für Völkerbundfragen, später umbenannt in Dt. Gesellschaft für Völkerrecht und Weltpolitik (1933–45).

    • Auszeichnungen

      Goldene Leibniz-Medaille d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1919); Dr. rer. pol. h. c. (Hamburg 1921).

    • Werke

      Weitere W Bilder aus d. Südsee, 1904;  Unsere Kolonien, 1908;  Dt.-Ostafrika im Weltkriege, Wie wir lebten u. kämpften, 1919;  Dt. Koloniallex., 3 Bde., 1920, Nachdr. 1996 (Hg.);  Niederbruch u. Aufstieg, Wege zu Dtld.s Errettung, 1921;  Die dt. Kolonien unter fremder Mandatsherrschaft, 1922;  Weltpol. vor, in u. nach d. Kriege, 1923;  Nationalismus u. Imperialismus, 1928;  Zehn J. Versailles, 3 Bde., 1929 (Hg. mit H. Draeger);  Völker u. Mächte im Fernen Osten, 1933;  Die dt. Kolonien vor, in u. nach d. Weltkrieg, 1935;  Dtld.s koloniale Forderung, 1936;  Kolonialmacht Dtld., 1941; Als letzter Gouverneur in Dt.-Ostafrika, Erinnerungen, 1964 (P);|

    • Literatur

      K. Hildebrand, Vom Reich z. Weltreich, Hitler, NSDAP u. koloniale Frage 1919-1945, 1969;  L. H. Gann u. P. Duignan, The Rulers of German Africa 1884-1914, 1977 (P);  D. van Laak, Imperiale Infrastruktur, Dt. Planungen für e. Erschließung Afrikas 1880 bis 1960, 2004;  Wi. 1914;  Magdeburger Biogr. Lex. (P)Schumacher, M. d. R.Lilla, MdR.

  • Autor

    Ralph Erbar
  • Empfohlene Zitierweise

    Erbar, Ralph, "Schnee, Albert Hermann Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 280-281 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn116819138.html
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Schnee, Heinrich

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