Name
Kellerhoven, Moritz
Namensvarianten
-
Lebensdaten
1758 bis 1830
Geburtsort
Altenrath (Siegkreis)
Sterbeort
München
Beruf/Lebensstellung
Maler; Radierer
Konfession
katholisch
Autor NDB
Brigitte Lohkamp
Autor ADB
Hyac. Holland.
GND
11612573X

Kellerhoven, Moritz

Maler, Radierer, * 1758 Altenrath (Siegkreis), 15.12.1830 München. (katholisch)

  • Genealogie

    V Wilhelm, Wirt in A.; M Juliane N. N.; München 1783 Lucia ( 1823), T d. kurbayer. Kontrolleurs Wilhelm Bram u. d. Willibalda N. N.; mindestens 1 S, 4 T, u. a. Joseph (1789–1847), Maler u. Lithograph (s. ThB), Franziska (* 1793), Kammerdienerin d. Kgn. Karoline v. Bayern.

  • Leben

    K.s anfänglichen theologischen Studien in Köln folgte 1775 das Studium der Malerei an der Düsseldorfer Akademie unter Lambert Krahe. Einige Zeit verbrachte er in Antwerpen; von dort aus sind Reisen nach England und Paris anzunehmen. 1799 ging er nach Wien, wo er sich unter H. Füger weiterbildete. 1782 besuchte er Italien. K.s Ruf als Porträtmaler bewog Kurfürst Karl Theodor, ihn 1784 nach München zu rufen, wo er Hofmaler und 1808 bei der Reorganisation der Akademie erster Professor der Malerei wurde. Neben dem Lehrauftrag übernahm K. damit auch die Verwaltungsaufsicht über die Anstalt.

    Nach wenigen Genre- und Historienbildern am Anfang seiner künstlerischen Tätigkeit widmete sich K. bald ausschließlich der Bildnismalerei. Wesentliche Anregungen bezog er von den großen niederländischen Malern des 17. Jahrhunderts; eine weitere Zwischenstufe stellt die Porträtkunst Gainsboroughs dar. Den unmittelbaren Anknüpfungspunkt bot jedoch die am Ende des 18. Jahrhunderts in München zu beträchtlicher Bedeutung gelangte Bildnismalerei, wie sie von Johann Georg Edlinger und Matthias Klotz gepflegt wurde. Edlingers lebendige Auffassung und sein lockerer malerischer Realismus wurden von K. rezipiert und vereinigt mit dem eher plastischen Stil im Sinne Simon Klotz'.

    K. zählt zu den bedeutenden Repräsentanten bürgerlich-aufklärerischer Porträtkunst. Der Porträtstil offizieller Repräsentationsbildnisse, wie er für die Darstellung der Mitglieder des Hofes erforderlich war, ist ein Pol seiner Bildnismalerei. Insignum dieses Bereichs ist die beinahe altmeisterlich anmutende feinzeichnende Technik, um damit die Stofflichkeit des Dargestellten täuschend echt nachzubilden. Demgegenüber veranschaulicht K. vor allem in den Porträts von L. Westenrieder (München, Erzbischöfliches Ordinariat oder von Georg Dillis (München, Stadtmuseum) das bürgerliche Element in der Art der Darstellung des Aufklärungshistorikers oder in der Verdeutlichung der selbstbewußten Haltung des Galeriedirektors. Im bürgerlichen Porträt folgt K. eher der unverblümten Darstellungsweise und dem lockeren Auftrag Edlingers. Besonders deutlich wird dies im Bildnis einer Dame im Empiregewand (Bayerische Staatsgemäldesammlungen), das die Diskrepanz zwischen dem Schönheitsideal der Zeit und einer kritiklosen Adaption von Moden allein durch die direkte und momentane Art der Darstellung zum Ausdruck bringt.

    Obwohl K. vor allem im Kolorit bereits auf die Bildniskunst des Biedermeier vorausweist, steht er am Ende einer Stilstufe realistischer Porträtdarstellung. Im biedermeierlich-idealisierten Menschenbild, das in der Porträtmalerei Josef Stielers vorgestellt wird, findet K.s Malerei der Aufklärungszeit ihre Ablösung.

    Als Radierer ist K. hauptsächlich mit kleinen Porträts in der Art Rembrandts hervorgetreten (Buchhändler Johann Lentner; Bildnisse der Schauspieler Marchand und Lambrecht; Galeriedirektor Georg Dillis; Selbstbildnis mit Hut).

    • Werke

      Verzz. s. F. v. Boetticher, Malerwerke d. 19. Jh., 1895; Maillinger, Bilderchronik d. Stadt München, 1876. - Erzhzg. Karl v. Österreich, 1796 (München. Bayer. Staatsgem.slgg.); Kf. Max IV. Joseph v. Bayern, 1801 (ebd., Stadtmus.); Kgn. Karoline v. Bayern (2 Gem., ebd.); Frater Zacharias, Apotheker im Karmeliterkloster, 1806 (ebd.); Lorenz v. Westenrieder (ebd.); Gf. v. Rumford, vor 1814 (ebd.); Ludwig I. als Kronprinz v. Bayern (ebd.); Kg. Ludwig I. v. Bayern als Generalissimus d. Landwehr (ebd.); Josef Millbiller, 1816 (ebd.); Kg. Max I. Joseph v. Bayern im Krünungsornat (ebd., Bayer. Verwaltung d. staatl. Schlösser, Gärten u. Seen); Hofkammerrat Hebberling, Frau Hebberling (2 Gem., ebd., Städt. Gab im Lenbachhaus); Kg. Gustav Adolph IV. u. d. Kgn. v. Schweden.

    • Literatur

      ADB 15; F. Pecht, Gesch. d. Münchner Kunst im 19. Jh., 1888; R. Hamann, Die dt. Malerei im 19. Jh., 1914; ders., Die dt. Malerei vom Rokoko b. z. Expressionismus. 1925 (Abb.); R. Oldenbourg, Die Münchner Malerei im 19. Jh., 1922; P. F. Schmidt, Bildnis u. Komposition v. Rokoko zu Cornelius, 1928; F. Landsberger, Die Kunst d. Goethezeit, 1931; H. Karlinger, München u. s. dt. Kunst d. 19. Jh., 1933 (Abb.); G. Dehio, Gesch. d. dt. Kunst IV, 1934; W. J. Bekh, Die Münchner Maler v. Jan Pollak bis Franz Marc, 1967; ThB (W, L); G. Tolzien, in: Lex. III, 1966, S. 566 ff.

  • Autor

    Brigitte Lohkamp
  • Empfohlene Zitierweise

    Lohkamp, Brigitte, "Kellerhoven, Moritz" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 469 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn11612573X.html

Kellerhoven, Moritz

  • Leben

    Kellerhoven: Moritz K., Maler und Radirer, geb. 1758 zu Altenrath (Herzogthum Berg), † 1830 zu München; erst wissenschaftlich zu Köln gebildet, wendete er sich 17jährig nach dem Tode seines Oheims zur Kunst in Düsseldorf (unter F. L. Krahe) und Antwerpen, ging 1779 nach Wien und 1782 nach Italien. Kurfürst Karl Theodor berief ihn 1784 als Hofmaler nach München, wo er 1808 bei der Reorganisation der Akademie zum ersten Professor ernannt wurde. Außer einigen Gesellschaftsstücken "in niederländischer Manier" und etlichen historischen Gemälden excellirte K. im Porträt; sein Colorit mit dem breiten, freien und astosen Vortrag wird heute noch bewundert, ebenso die täuschende Nachbildung von mannigfaltigen Stoffen, Seide, Sammt, Spitzen, Schmuck und Gestein. K. zählt zu den wenigen Künstlern, welche bis in ihr spätestes Alter nicht nur keinen Stillstand, sondern fortwährend die merkbarsten Fortschritte machten; er radirte kleine Porträts in geistreicher Weise nach Rembrandt's Manier, darunter die Bildnisse der ihrer Zeit vielgefeierten Schauspieler Marchand und Lambrecht, des Malers Dillis und sein eigenes Porträt. Eines seiner schönsten Blätter, das "Brustbild eines Kapuziner mit dem Stock" (nach Raphael Mengs) erschien anonym; auch existirt von K. ein seltenes Blatt, "Die Vier Apostel", nach Alb. Dürer. Zu seinen gerühmten Oelbildern gehörten das lebensgroße Bildniß des Kurfürsten und nachmaligen König Max I. im Krönungsornat (letzteres in der Aula der Münchener Universität) und der Königin Karoline (beide gestochen von J. Rauschmayr), ebenso malte er den König Gustav Adolph IV. und die Königin von Schweden während ihrer Anwesenheit zu München, den Erzherzog Karl von Oesterreich (gestochen von Schiavonetti), viele Mitglieder des königlich baierischen Hanfes, den Kronprinz Ludwig I. (Jac. Lips sc.), Auguste Amalie von Leuchtenberg (Strixner lithogr.), den Weihbischof von Streber, die Bischöfe J. A. von Riegg in Augsburg, Freiherrn v. Gebsattel (radirt von Muxel), F. X. v. Schwäbel (A. F. Spieß sc.), die Historiker Jos. Milbiller (gestochen von Laurenz in Berlin) und Lorenz Westenrieder (B. Haas sc.), 1803 den Buchhändler Jos. Lentner (auch von K. radirt in Aquatintaton) etc.

    • Literatur

      Vgl. Raczynski, Gesch. der neueren Kunst, II. 518. Nagler, Künstlerlex., 1838, VI. 553 u. Monogramm. 1864, IV. 608 (Nr. 817 u. 1953). Seubert, 1878. II. 329.

  • Autor

    Hyac. Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Kellerhoven, Moritz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 584-585 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn11612573X.html?anchor=adb

Kellerhoven, Moritz

NDB Genealogie:

Kellerhoven, Moritz