Name
Mayer, Johann Friedrich
Namensvarianten
-
Lebensdaten
1719 bis 1798
Geburtsort
Herbsthausen bei Mergentheim
Sterbeort
Kupferzell
Beruf/Lebensstellung
Landwirtschaftsreformer; Ökonom
Konfession
evangelisch
Autor NDB
Klaus Herrmann
Autor ADB
-
GND
104138432

Mayer, Johann Friedrich

Landwirtschaftsreformer, * 21.9.1719 Herbsthausen bei Mergentheim, 17.3.1798 Kupferzell. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Joh. Friedrich (1693–1741), Gastwirt, Posthalter, hohenloh. Schultheiß u. Zolleinnehmer in H., S d. Gastwirts u. Posthalters Friedrich (1655–1726) in Blaufelden u. d. Anna Maria Bög; M Margarete (1688–1768), T d. Friedrich Sitzler, Gastwirt, Weinhändler u. Zoller in H. u. Blaufelden, u. d. Dorothea Fugmann; Waldtann 1741 Anna Charlotte (1723–1807), T d. Gastwirts Joh. Heinrich Hirschmann in Bergbronn u. d. Rosine Fimpelin; 15 K (7 früh †). u. a. Joh. Albrecht (1750–1827), hohenloh. Justizbeamter, Forstmann, Vf. d. „Enc. d. Forstwiss.“ (1793), Johanna (1754–1822, 1] Johs. Georg Glenck, 1751–1802, Salinendir., 2] Karl Christian v. Langsdorff, 1834, Math. u. Technologe, s. NDB 13).

  • Leben

    Von den Eltern schon in frühester Jugend für das Pfarramt bestimmt, besuchte M. die Lateinschule in Weikersheim und anschließend das Gymnasium in Öhringen. Mit 17 Jahren wechselte er an die Univ. Jena über, wo er Theologie studierte. Einfluß gewannen auf ihn u. a. der Rationalist Christian Wolff und der Schweizer Naturforscher Albrecht v. Haller, mit dem er in regem Gedankenaustausch stand. Nach Abschluß des Studiums kehrte M. zu den Eltern nach Herbsthausen zurück; 1741 erhielt er im nahe Crailsheim gelegenen Riedbach eine erste Pfarrstelle zugewiesen, die er auf Wunsch des Patronatsherrn 1744 verließ, um nach Sindringen überzuwechseln. Anlaß war der sog. „hohenlohische Osterstreit“, bei dem es um die Rechtmäßigkeit der Einführung des Gregorianischen Kalenders ging. Mit Nachdruck setzte sich M. hier für die Position des kath. Carl Philipp zu Hohenlohe-Bartenstein ein, was ihm Widerstand aus seiner ev. Kirchengemeinde einbrachte. So sah sich der Patronatsherr veranlaßt, M. 1745 die Pfarrstelle im Amtsort Kupferzell zu besorgen.

    Mehr als 20 Jahre wirkte M. hier als Seelsorger, ohne ansonsten öffentlich in Erscheinung zu treten; er bewirtschaftete nebenbei ein Pfarrgütchen, auf dem er immer wieder landwirtschaftliche Experimente durchführte. Die während dieser Zeit gewonnenen Erfahrungen publizierte er erstmals 1768 als „Lehre vom Gyps“, in der er sich für die Düngung der Felder mit dem in den nahen Waldenburger Bergen gefundenen Gips einsetzte. Sein Vorschlag lautete, den in Mühlen zermahlenen Gipsstein auf Äcker und Wiesen einzustreuen. Um aufzuzeigen, daß die Einführung mineralischer Düngersubstanzen in die Landwirtschaft nicht neu war, legte M. 1774 das Buch „M. Terentius Varro, von der Landwirtschaft“ vor. Mit seinem Kommentar brachte M. den Nachweis, daß schon im Altertum mineralischer Dünger eingesetzt worden war. Die Agrarwissenschaftler des 19. Jh. zeigten sich von M.s Werk so beeindruckt, daß einer von ihnen, Johann Nepomuk von Schwerz, M. den ehrenden Titel „Gipsapostel von Kupferzell“ verlieh.

    In immer zahlreicheren Schriften sprach M. sich sowohl für eine nachhaltige Veränderung der Agrarverfassung als auch für die|Einführung fortschrittlicher Bewirtschaftungsmethoden aus. Er lehnte die Leibeigenschaft ab und propagierte das freie Eigentum der Bauern. Die Dreifelderwirtschaft schätzte er als wenig leistungsfähig ein und wünschte eine Besömmerung der Brache mit Klee und anderen Futtergewächsen. Eifrig warb M. auch für den Anbau von Kartoffeln, die er keineswegs nur als Viehfutter, sondern mehr noch als Nahrung für Menschen empfahl. Im Einsatz von technisch ausgereiften Arbeitsgeräten sah er ein Mittel, die beschwerliche Arbeit der Bauern zu erleichtern. Besonders wichtig jedoch war ihm der Aufbau einer qualifizierten Viehwirtschaft. Er gab detaillierte Ratschläge für die Ochsen- und Schweinemast, die ebenso wie auch seine konkreten Vorstellungen vom ländlichen Hausbau weit über Hohenlohe hinaus von den Bauern bereitwillig angenommen wurden.

    Als Pfarrer stand M. in der von der Landwirtschaft bestimmten Region bis zu seinem Tode mitten in der Landbevölkerung. Er kannte ihre Nöte und äußerte sich in verständlicher Sprache. So erklärt sich der bereits gegen Ende des 18. Jh. sichtbare Erfolg seiner Bemühungen um eine verbesserte Landwirtschaft. Seine Schriften basieren auf praktischen Anwendungen seiner Vorstellungen. M. war auch ein begehrter Gesprächspartner von Obrigkeit und Wissenschaft. So reiste er zum Kurfürsten von der Pfalz, zum Bischof von Würzburg und Bamberg, zum Markgrafen von Ansbach sowie zu den Fürsten von Oettingen-Wallerstein und Hohenzollern-Hechingen. Zwei Rufe nach Wien von Kaiserin Maria Theresia und Kardinal Graf v. Migazzi lehnte er ab. Als Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften korrespondierte M. nach Österreich, in die Schweiz und in viele deutsche Länder.

    Nicht zuletzt dank M.s Wirken stand die Hohenloher Landwirtschaft ausgangs des 18. Jh. im Ruf, wohlhabend zu sein. Die in ihr angewandten Methoden wurden als vorbildlich angesehen. Somit zählt M. zu den einflußreichen Agrarreformern des ausgehenden 18. Jh., die die Voraussetzungen für eine moderne Landwirtschaft schufen.

    • Werke

      Die Lehre von Gyps als einem vorzügl. Dung zu allen Erdgewächsen auf Äckern u. Wiesen, Hopfen u. Weinbergen, 1768; Btrr. u. Abhh. z. Aufnahme d. Land- u. Hauswirtsch., nach d. Grundsätzen d. Naturlehre u. Erfahrungen entworfen, 1769 (bis 1784 ersch. 10 Fortss. u. 2 Anhangbde. als selbst. Publ.); Lehrb. f. d. Landwirtschaft in d. pragmat. Gesch. d. ges. Land- u. Hauswirtsch. d. Hohenlohe-Schillingsfürst. Amtes Kupferzell, 1773 (Faks. 1980, (W-Verz.); Mein Ökonom. Briefwechsel, 3 Lieferungen, 1778/80; Das Ganze d. Landwirtsch., 2 T., 1788; Kupferzell durch d. Landwirtsch. im besten Wohlstande, 1793; Der sichere Nothelfer f. alle Stadtbewohner u. Landleute, 1795; Predigtbuch f. christl. Bürger u. Landleute hinsichtl. auf echte Christusrel., wahre Lebensweisheit u. kluge Haushaltung, z. häusl. Andacht u. Vorlesung auf alle Sonn- u. Festtage d. ganzen Jahres nach d. Evangelien, 1800 (postum hrsg. v. s. Sohn); Hohenloh. Bauernkal., 1772–97. – W-Verz. in: M. Güntz, Hdb. d. Landwirtsch. Lit., 2 T., 1897, S. 212-18.

    • Literatur

      G. Forstner, Denkmal d. Erinnerung an d. Verdienste d. verewigten M. um d. erhöhten Flor d. Landwirtsch., 1800; Pfarrer M. in Kupferzell, in: Wochenbl. f. Land- u. Forstwirthsch., Stuttgart, 1858, Nr. 3, S. 17-19 (P, Lith. v. G. Küstner); K. Schumm, Pfarrer J. F. M. u. d. hohenloh. Landwirtsch. im 18. Jh., in: Württ. Franken NF 30, 1955, S. 138-67; ders., in: Lb. Schwaben VI, 1957, S. 139-52 (W-Verz., L, P); H. Weik, Die Agrar- u. Wirtsch.-verhältnisse d. Fürstentums Hohenlohe im 18. Jh., Diss. Köln 1969; G. Wunder, Ein Reformer d. Landwirtsch. – d. „Gipsapostel“ aus Kupferzell, in: M. Blümcke (Hrsg.), Abschied v. d. Dorfidylle, 1982, S. 303-09; Pfarrerbuch Württ. Franken, T. 2, Die Kirchen- u. Schuldiener, 1981, S. 282.

    • Portraits

      Ölgem. (in Fam.bes.), Abb. in: Lb. Schwaben VI; Kupf. v. Halle, 1793, n. Gem. v. Ch. F. Deffner, in: J. G. Krünitz, Ökonom.-technolog. Enz. 61, 1793; Lith. (Univ.archiv Hohenheim, Bildslg.).

  • Autor

    Klaus Herrmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Herrmann, Klaus, "Mayer, Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 544 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn104138432.html
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Mayer, Johann Friedrich